USA stationieren F15-Kampfflugzeuge in Syrien

Von Thomas Gaist
10. November 2015

Wie das amerikanische Verteidigungsministerium am Freitag bekanntgab, werden die USA eine Staffel Kampfflugzeuge vom Typ F-15C auf den Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei verlegen. Diese Kampfflugzeuge sind speziell für Luftkämpfe mit anderen hochmodernen Kampfjets ausgelegt. Ihre Stationierung könnte daher auf weitreichende Entscheidungen hinweisen.

Die Kampfjet-Baureihe F-15 wurde entwickelt, nachdem die Sowjetunion 1967 ihren Abfangjäger MiG-25 „Foxbat“ vorgestellt hatte.

Da die F-15C für den Luftkampf gegen die Flugzeuge anderer Großmächte ausgelegt sind, bestand für die USA bisher keine Notwendigkeit, dieses Modell auf die Kriegsschauplätze im Nahen Osten und Zentralasien zu verlegen, da die dortigen Gegner keine Kampfflugzeuge besitzen.

Vor weniger als zwei Monaten hatte Moskau begonnen, seine eigenen Kampfflugzeuge vom Typ SU-30 auf den neuen Luftwaffenstützpunkt bei Latakia in Syrien zu verlegen. Die plötzliche Stationierung der F-15 macht deutlich, dass es sich dabei um eine Reaktion auf Moskaus Luftangriffe handelt.

Ein Artikel in der Washington Times vom Freitag trug die Überschrift: „Die F-15 kommen nur aus einem einzigen Grund nach Syrien: um russische Flugzeuge abzuschießen“.

Die Überschrift eines Artikels im Time-Magazin vom Freitag lautete: „USA und Russland schicken Waffen nach Syrien, die am besten dafür geeignet sind, sich gegenseitig abzuschießen.“

Die amerikanischen Kampfflugzeuge werden in genau das Gebiet entsandt, in dem russische Kampfflugzeuge letzten Monat angeblich in türkischen Luftraum eingedrungen waren. Diese Vorfälle wurden als Rechtfertigung für das jüngste antirussische Kriegstrommeln der USA und der Nato benutzt.

„Die Stationierung der Luftkampfflugzeuge wurde beschlossen, nachdem im letzten Monat zwei russische Kampfflugzeuge während eines Einsatzes in Syrien in türkischen Luftraum eingedrungen waren, was von der Türkei und ihren Nato-Verbündeten entschieden verurteilt wurde. Die Stationierung ist ein Zeichen für die Entschlossenheit der Nato, nach dem Eindringen russischer Flugzeuge ihre Mitgliedsstaaten zu schützen“, hieß es am Freitag in US News and World Report.

Die zusätzlichen Kampfflugzeuge wurden geschickt, nachdem die türkische Regierung um weitere amerikanische Militärhilfe zur Verteidigung ihrer Grenzen gebeten hatte. Bereits vor der Ankündigung am Freitag galt die türkisch-syrische Grenze als einer der gefährlichsten geopolitischen Brandherde der Welt. Im Oktober hatte das türkische Militär eine unmarkierte Militärdrohne im selben Grenzgebiet abgeschossen, deren Eigentümer noch immer nicht ermittelt wurde.

Die Stationierung der Hightech-Kampfflugzeuge ist ein weiterer Schritt zur Errichtung einer Flugverbotszone über Nordsyrien. Die Obama-Regierung hat sich den Forderungen der Türkei nach der sofortigen Errichtung einer Flugverbotszone bisher widersetzt. Letzte Woche sagten hohe Funktionäre des Verteidigungsministeriums vor dem Kongress jedoch aus, die Option sei „nicht vom Tisch.“

Analysten sind sich einig, dass eine Flugverbotszone notwendigerweise auch die Schaffung einer militarisierten Zone im Land selbst voraussetzen würde. Die USA haben letzte Woche einen großen Schritt in diese Richtung unternommen, als sie die Gründung einer „neuen“ Stellvertreterarmee bekanntgaben, der Demokratischen Streitkräfte Syriens (SDF). Die SDF besteht aus den kurdischen und arabischen Milizen, die in den letzten Wochen per Fallschirmabwurf vom US-Militär Unterstützung erhalten haben.

Diese Streitmacht ist laut Berichten von Mitgliedern einiger der militanten Gruppen unter dem Dach der SDF größtenteils eine umbenannte Fraktion der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). „Die Demokratischen Streitkräfte Syriens sind praktisch nur die YPG. Es handelt sich um eine Tarnung, um Angriffe der Türkei zu verhindern und mehr Unterstützung von der Koalition zu bekommen“, sagte der ehemalige YPG-Sprecher Alaa al-Scheich der Financial Times.

Amnesty International hatte der YPG vor kurzem in einem Bericht Kriegsverbrechen gegen die arabischstämmige Bevölkerung von Nordsyrien vorgeworfen. Die USA versuchen jetzt, sie umzugestalten, indem sie ihr kleine Kontingente von arabischen Kämpfern angliedern, darunter Aufständische, die mit Thuwar Raqqa, Jaish al-Thuwar und anderen Al Qaida-nahen Fraktionen verbündet sind.

Washington stellt hinter einer „multiethnischen“ und „demokratischen“ Fassade eine weitere lose verbündete Stellvertreterarmee auf, die sich größtenteils aus militanten Gruppen rekrutiert, welche nachweislich alleine im letzten Jahr Dutzende von Dörfern dem Erdboden gleichgemacht haben.

Vermutlich wird eine der ersten Aufgaben der SDF sein, eine Bodenoffensive gegen die syrische Stadt Raqqa zu führen. Diese dient derzeit als de-facto-Hauptstadt für Aufständische, die mit dem Islamischen Staat im Irak und Syrien (IS) verbündet sind. Der geplante Angriff auf Raqqa wird von den arabischen Fraktionen der SDF jedoch mit Skepsis betrachtet. Sie machen sich Sorgen, dass die YPG-Elemente die Offensive für ihre eigenen Ambitionen auf einen kurdischen Staat ausnutzen werden und damit die Bedingungen für ethnische Konflikte in der SDF-Koalition schaffen.

Die schwere Bombardierung syrischer Ziele durch russische Luftstreitkräfte in der letzten Woche hat die Risiken gezeigt, die die jüngste Eskalation der USA bergen. Die Logik der imperialistischen militärischen Eskalation drückt sich in hochkonzentrierter Form auf den Schlachtfeldern Syriens aus. Moskau hofft, durch die Bombardierung von Aufständischen in Syrien, die von den USA unterstützt werden, seine Klientelregierung in Damaskus zu stärken und die Bedingungen für eine politische Einigung zu schaffen. Diese Versuche haben jedoch vor allem dazu geführt, dass Washington seine eigenen Militäroperationen verstärkt hat.

Während die von den USA unterstützten Milizen bereits einen erbitterten Kampf gegen eine von Russland angeführte Koalition entlang einer Front in strategisch wichtigen Gebieten der westlichen Enklaven führen, bereitet sich Washington darauf vor, eine völlig neue Front zu eröffnen.

Noch während US-Außenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergei Lawrow am Freitag über die Möglichkeit diskutierten, die syrische Opposition und das Assad-Regime zu politischen Verhandlungen zu zwingen, bereiteten Dutzende von frisch eingetroffenen US-Spezialeinheiten eine weitere Stellvertreterarmee für Offensiven gegen Gebiete vor, in denen russische Einheiten bereits in heftige Kämpfe verwickelt sind.

Präsident Obama kündigte letzte Woche die Entsendung von Spezialeinheiten an, obwohl er Bodentruppen bisher ausgeschlossen hatte. Und dies ist nur der Beginn einer allgemeinen Verschärfung der amerikanischen Operationen in Syrien und dem Irak. US-Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte letzte Woche deutlich, US-Truppen planten nun ihre eigenen „direkten Bodenoperationen“ in Syrien und dem Irak.

Washington und Moskau treffen an den entgegengesetzten Fronten des wütenden Bürgerkrieges immer näher aufeinander. Der von den USA unterstützte Putsch in der Ukraine und das darauf folgende massive Nato-Militäraufgebot in Osteuropa hat die Welt bereits an den Rand eines Krieges zwischen den beiden größten Atommächten gebracht.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte die Mitglieder des amerikanischen Militärbündnisses am Donnerstag auf, militärische Stationierungen vorzubereiten, um die russischen Streitkräfte im östlichen Mittelmeer, am Schwarzen Meer und der Ostsee abzuschrecken.

Die Nato hält gegenwärtig in Portugal ein riesiges Manöver mit der Bezeichnung „Trident Juncture 2015“ ab. Das Manöver dient eindeutig der Vorbereitung auf einen offenen, europaweiten Krieg des Bündnisses gegen Russland. Stoltenberg warnte vor „einer Aufrüstung, die Russland Kapazitäten für Zugangsabwehr und Gebietsverteidigung (Anti-Access/Area Denial, A2/AD) verschafft.“

Stoltenberg erklärte, das Nato-Bündnis müsse mit einem Militäraufgebot quer durch die ganze eurasische Landmasse reagieren. „Die Frage, vor der wir jetzt stehen, lautet: wie werden wir auf die zunehmenden A2/AD-Kapazitäten der Russen im Baltikum, im Schwarzen Meer und nun auch im Mittelmeer reagieren.“