Börsen stürzen weiter ab

Von Andre Damon
9. Januar 2016

Die Börsen sind am Donnerstag weltweit weiter gefallen. Die Verkaufswelle begann in China, wo der Handel zum zweiten Mal in vier Tagen eingestellt wurde, als die Aktienpreise innerhalb von einer halben Stunde um mehr als sieben Prozent einbrachen. Das Ergebnis war der kürzeste Handelstag in der Geschichte der chinesischen Börse.

Die Verluste setzten sich in Europa fort, wo die wesentlichen Indizes um ein bis zwei Prozent einbrachen. In den Vereinigten Staaten fiel der Dow Jones Index um 392 Punkte oder 2,3 Prozent. Der S&P 500 fiel um 2,37 Prozent, während der Nasdaq um 3,03 Prozent einbrach.

Sowohl dem S&P 500 wie auch dem Dow Jones droht der schlechteste Jahresauftakt ihrer Geschichte. Der Dow hat in den ersten vier Handelstagen 5,2 Prozent verloren und der S&P 500 fast fünf Prozent.

Der Nasdaq ist jetzt offiziell in eine „Korrektur“ eingetreten, die als Abschlag von zehn Prozent oder mehr vom höchsten Wert der jüngsten Zeit definiert ist. Der Dow und der S&P 500 haben nach diesem Maßstab 9,8 bzw. 8,8 Prozent verloren.

Die anhaltende Verkaufswelle deutet auf wachsende Befürchtungen hin, dass die Kluft zwischen den weltweiten Börsenwerten, die seit fast sechs Jahren steigen, und der Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft offen sichtbar wird.

Das Wirtschaftswachstum von 2015 wird wahrscheinlich das niedrigste seit 2009 sein. Die IWF-Direktorin Christine Lagarde hat die Meinung geäußert, dass das Jahr 2016 noch schlechter werden könnte.

Der Rückgang der Wirtschaftsleistung hat zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach Rohstoffen geführt, wodurch auch die Rohstoffpreise sinken. Der Preis für Rohöl der Marke Brent ging am Donnerstag um weitere 2,1 Prozent auf 33,27 Dollar pro Fass zurück; im Mai hatte er noch bei 65 Dollar gelegen. Es ist der niedrigste Preis seit Februar 2004.

Die Haupttriebkraft, die die globale Verkaufswelle antreibt, ist die Lage der schwächelnden chinesischen Wirtschaft. Die Sorge besteht, dass das nachlassende Wachstum des Landes zu einer Destabilisierung des Wechselkurses seiner Währung führen könnte. Die auf das Jahr bezogene Wachstumsrate lag im vierten Quartal letzten Jahres wahrscheinlich unter sieben Prozent, das ist weniger als die Hälfte der 14,2 Prozent im Jahr 2007.

Chinas Zentralbank berichtete am Donnerstag, dass sie den Zielwert des Renminbi auf 6,56 Dollar festsetzen werde, den tiefsten Wert seit fast sechs Jahren. Die chinesischen Geldpolitiker haben ihrer Währung erlaubt, abzuwerten, um die Exporte zu stützen, mussten aber inzwischen Devisen einsetzen, um den Wert der Währung zu verteidigen und zu verhindern, dass sie noch schneller verfällt.

Die Währungsreserven des Landes sind im vergangenen Monat um 108 Milliarden Dollar zurückgegangen. Nach einem Rückgang um 87 Milliarden im November stehen sie jetzt bei 3,33 Billionen.

Die New York Times berichtete: „Ein vierteljährlicher Überblick über 2000 chinesische verarbeitende Unternehmen und andere Industriekonzerne zeigt, dass praktisch keiner von ihnen in neue Ausrüstung und Fabriken investiert.“ Die Zeitung zitiert den Direktor des Zentrums für Finanz- und Wirtschaftswachstum an der Cheung Kong Graduate School of Business in Beijing mit den Worten: „In den letzten vier Quartalen haben nur zwei bis drei Prozent von ihnen Erweiterungsinvestitionen getätigt.“

Die jüngsten Börseneinbrüche folgen auf die panikartigen Verkäufe auf den chinesischen Märkten vom letzten Sommer, die zu einem Einbruch des Benchmark Index’ des Landes um bis zu 45 Prozent gegenüber früherer Höchststände führte. Laut einer Analyse von Goldman Sachs müsste die chinesische Regierung massive Gelder in Höhe 234 Milliarden Dollar in die Finanzmärkte pumpen, um die Verkaufswelle zu stoppen.

Die Sorge geht um, dass die aktuellen Verkäufe in China der Beginn einer breiteren Korrektur sein könnten. Der Milliardär George Soros verstärkte diese Befürchtungen noch, indem er eine Parallele zwischen der momentanen Wirtschaftskonjunktur und der Finanzkrise von 2008 zog. Bei einem Wirtschaftsforum in Sri Lanka wies Soros auf die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China und der riskanten Entwicklung seiner Währung hin.

„China hat ein erhebliches Anpassungsproblem“, sagte Soros. „Ich würde das als eine Krise bezeichnen. Wenn ich mir die Finanzmärkte anschaue, dann sehe ich große Probleme, die mich an die Krise von 2008 erinnern.“

Ob die gegenwärtigen Marktbewegungen der Beginn eines bedeutsamen Abschwungs sind, wird man sehen müssen. Die meisten Märkte stehen immer noch deutlich höher als am Tiefpunkt der Entwicklung im letzten Jahr. Aber sieben Jahre nach dem Krach von 2008 steigt erneut die Nervosität in der herrschenden Klasse über den Zustand der Weltwirtschaft. Für diese Stimmung sind die Märkte eine Art Barometer.

Nicht nur das schwache Wachstum in China und die allgemeine Stagnation der Weltwirtschaft machen der Bourgeoisie zu schaffen, sondern auch Anzeichen dafür, dass der Widerstand der Arbeiterklasse spürbar wächst. Das ganze Finanzsystem ist ein Kartenhaus. Es ist auf dem kostenlosen Geld der Zentralbanken aufgebaut und stützt sich auf die Annahme, dass der Transfer endlos weitergeht, der allen verfügbaren Reichtum weiterhin von der internationalen Arbeiterklasse auf die Konten der Kapitalisten und Wall Street Spekulanten überführt.