Umsatzrückgang bei Apple zeigt Schwachstellen der Weltwirtschaft

Von Barry Grey
29. April 2016

Apple Inc., das Unternehmen mit der weltweit größten Marktkapitalisierung, gab am Dienstag den ersten Rückgang des Quartalsumsatzes seit dreizehn Jahren bekannt. Der Rückgang der Umsätze und Gewinne war höher als Analysten vorhergesagt hatten. An erster Stelle stand der erste Rückgang des Quartalsumsatzes von Apples größtem Verkaufsschlager, dem iPhone, seit dessen Einführung im Jahr 2007.

Der Kurs von Apple-Aktien ist in diesem Jahr bereits um zwanzig Prozent gesunken, am Mittwoch ging er um weitere 6,26 Prozent zurück und verschlechterte das Tagesergebnis des Nasdaq um ein halbes Prozent.

Die starke Rückentwicklung der Wachstumsprognose des Unternehmens geht nicht nur auf die Stagnation und den Abschwung der Realwirtschaft zurück, der hinter den Schwindel erregenden Höhen der weltweiten Aktienmärkte stattfindet. Er ist auch eine Warnung: die extrem aufgeblähten Vermögenswerte der Unternehmen sind nicht haltbar und werden unweigerlich in sich zusammenbrechen.

Finanzanalyst John Shinal schrieb in USA Today über die Auswirkungen des Apple-Quartalsberichts: „Alles zusammen ergibt eine Mischung für den bevorstehenden Kurssturz bei Apple.“

Apple ist wohl das beste Beispiel für den kolossalen und historisch beispiellosen Anstieg der Marktpreise für Aktien und andere Finanzprodukte seit dem Wall Street-Crash im September 2008. Seit dem Tiefpunkt der Rezession nach dem Börsenkrach haben sich die Aktienkurse verdreifacht, haben die Finanzoligarchen der Welt noch reicher gemacht und die Kluft zwischen den Reichen und Superreichen und dem Rest der Welt noch vergrößert. Diese Entwicklung wurde durch Bankenrettungspakete im Wert von Billionen Dollar, massive Geldverteilung und billige Kredite der internationalen Zentralbanken ermöglicht.

Eine einzige Statistik reicht, um diesen Prozess zu verdeutlichen: im Jahr 2003, als Apple zum letzten Mal einen Rückgang der Quartalsumsätze verzeichnet hatte, lag die Marktkapitalisierung des Unternehmens (d.h. der Wert seiner Aktien) bei fünf Milliarden Dollar. Heute liegt der Marktwert trotz des jüngsten Rückgangs bei über 500 Milliarden, d.h. er hat sich mehr als verhundertfacht.

Der massive und irrationale Anstieg der Aktienkurse ist ein Ausdruck des zunehmenden Finanzparasitismus. Die Anleger investieren ihr Kapital aus fieberhaftem Profitstreben nicht in die Produktion, sondern in immer riskantere, exotischere und betrügerische Formen von Spekulation. Derweil verfällt die gesellschaftliche Infrastruktur und der Lebensstandard der arbeitenden Bevölkerung sinkt.

Die Lage der Realwirtschaft verschlechtert sich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte Anfang des Jahres in seiner Prognose für die Weltwirtschaft vor einem Abschwung der Handels-, Produktivitäts- und Investitionsraten. Im vergangenen Jahr hat der IWF seine Vorhersagen für das weltweite Wirtschaftswachstum bereits viermal hintereinander nach unten korrigiert, ebenso seine Schätzungen für alle wichtigen Regionen der Weltwirtschaft, von den USA über Europa und Japan bis hin zu Lateinamerika, Afrika und China. Er warnte vor der Gefahr eines „synchronisierten Abschwungs.“

Dass der Weltkapitalismus nicht zu normalen Wachstumsraten zurückkehren kann, obwohl die Zentralbanken ihre Zinsen auf Null oder sogar in den negativen Bereich gesenkt und im Rahmen der „quantitativen Lockerung“ in großem Stil Geld gedruckt haben, zeigen die sinkende Nachfrage und die gefallenen Preise für Rohstoffe wie Öl. Die immer brutaleren Sparmaßnahmen zu Lasten der Arbeiterklasse in Nordamerika, Europa und zunehmend auch im Rest der Welt verstärken diesen Abschwung noch weiter.

In den letzten Monaten mussten in den USA mehrere Einzelhandelsketten in großem Stil Filialen schließen, da die Zerstörung gut bezahlter und sicherer Arbeitsplätze die Kaufkraft der Arbeiterklasse beeinträchtigt. Sears/Kmart gab letzte Woche Dutzende Filialschließungen bekannt, zuvor hatten bereits Walmart und Macy's hunderte Filialen geschlossen.

Nach der Finanzkrise von 2008 war die chinesische Wirtschaft die wichtigste Wachstumsquelle der Weltwirtschaft. Ihr Abschwung wirkt sich auf rohstoff- und industrieprodukteexportierende Staaten, sowie auf die Einnahmen und Gewinne der großen Konzerne aus. Gleichzeitig gerät die private und öffentliche Verschuldung außer Kontrolle und schafft die Grundlagen für eine neue und noch katastrophalere Finanzkrise.

Laut der Financial Times vom Wochenende ist Chinas Verschuldung auf rekordverdächtige 237 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes gestiegen. Sie warnte, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt könnte ein ähnlicher Zusammenbruch wie die Lehman Brothers-Pleite oder eine langjährige Phase niedrigen Wachstums wie im Fall Japans bevorstehen.

In diesem Kontext verzeichnete Apple einen dreizehnprozentigen Rückgang seines Gesamtumsatzes und einen zweiundzwanzigprozentigen Rückgang der Gewinne im ersten Quartal 2016. Der Umsatz für iPhones ging um mehr als sechzehn Prozent zurück. Auch die Umsätze anderer Produkte gingen zurück, die von iPads um neunzehn Prozent, Mac-Computer um zwölf Prozent, und die für andere Produkte wie die Apple Watch um 50 Prozent.

Die Verkäufe in der Region China, die auch Hongkong und Taiwan umfasst, sanken schneller als überall sonst. Sie gingen um 26 Prozent zurück, während sie im gleichen Vorjahresquartal um 71 Prozent gestiegen waren.

Auf den chinesischen Markt entfällt zwar nur ein Viertel von Apples Gesamtumsatz, allerdings war er für 60 Prozent des Umsatzrückgangs im ersten Quartal verantwortlich. Die New York Times zitierte einen Anaylsten der Forschugnsgruppe Canalys aus Shanghai, der erklärte, er rechne für 2016 nur mit einem Wachstum des chinesischen Smartphone-Marktes um 4,7 Prozent. Noch im Jahr 2013 war er um jährlich 50 Prozent gewachsen.

Für das laufende Quartal rechnet Apple mit einem noch schlechteren Umsatzergebnis von 41 - 43 Milliarden Dollar, d.h. mindestens sieben Milliarden weniger als im ersten Quartal.

Apple war nicht das einzige große amerikanische Unternehmen, das am Mittwoch von den Folgen der globalen Wirtschaftskrise aufgeschreckt wurde. Die Aktien von Twitter stürzten ab, nachdem das Social Media-Unternehmen unerwartet schlechte Zahlen und eine Prognose für das zweite Quartal bekanntgab, das die Erwartungen der Märkte enttäuschte.

Als Reaktion auf die Turbulenzen im Energiesektor durch den Zusammenbruch der Ölpreise hat Standard & Poor's Exxon Mobil erstmals seit der Großen Depression das beste Kreditrating aberkannt.

Der Rückgang von Apples Umsätzen ist ein weiterer Beleg, dass sich eine ganze Periode wirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklung nach einem Vierteljahrhundert dem Ende zuneigt und in eine neue und gewaltsame Periode wirtschaftlicher Konflikte von Nationalismus und Militarismus zwischen den Großmächten mündet, aber auch in eine neue Periode des Klassenkampfes.

Im Oktober 1987 verzeichnete die Wall Street den größten Rückgang des Dow Jones an einem Tag in seiner Geschichte. Die reaktionären Rezepte der Reagan- und Thatcher-Jahre waren damit gescheitert.

Das Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989 und die Auflösung der Sowjetunion zwei Jahre später eröffneten den USA und den anderen imperialistischen Mächten neue Märkte und neue Quellen für Rohstoffe und billige Arbeitskräfte, und führten zu einem kurzzeitigen Aufleben des Weltkapitalismus. Doch die Expansion der 1990er Jahre basierte vor allem auf billigen Krediten der Federal Reserve, der weiteren Deregulierung der Banken und dem Nutzen für die herrschende Klasse, den der Zusammenbruch der alten Arbeiterbewegungen brachte.

Am Ende des Jahrzehnts platzte diese von Krediten genährte Blase mit der Krise der sogenannten „Tigerstaaten“, dem Zusammenbruch der Investmentbank Long Term Capital Management und dem russischen Staatsbankrott. Als nächstes kam das Platzen der Dotcom-Blase von 2000-2001. Danach platzte 2008 die Subprime-Immobilienblase und führte zur größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit der Großen Depression.

Die derzeitige Blase ist größer und hartnäckiger als alle bisherigen. In ihrem Mittelpunkt steht die massive Anhäufung von Schulden durch die Zentralbanken selbst. Der klaffende Widerspruch zwischen dem „Aufschwung“ der Aktienmärkte und der Bankkonten der Reichen einerseits, und der immer schwereren sozialen Krise der Arbeiterklasse löst immer größeren sozialen Widerstand und tiefe politische Radikalisierung aus.

Genau wie in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg treibt die Systemkrise des Weltkapitalismus die herrschenden Klassen immer stärker dazu, ihrer ausweglosen Situation durch Nationalismus, Krieg und Diktatur zu entkommen. Gleichzeitig liefert sie jedoch auch den Impuls für eine sozialistische Revolution als einzige Alternative zum Weltkrieg. Die entscheidende Aufgabe ist der Aufbau einer neuen revolutionären Führung der Arbeiterklasse für die bevorstehenden Kämpfe.