Saudische Koalition greift Krankenhaus im Jemen an

Von Peter Symonds
17. August 2016

Die von Saudi-Arabien geführte Kriegskoalition hat ihren bisherigen Kriegsverbrechen im Jemen am 15. August ein weiteres hinzugefügt. Sie bombardierte ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen und tötete dabei elf Menschen. Neunzehn wurden verwundet. Da die Ärzte ohne Grenzen allen beteiligten Seiten die GPS-Koordinaten zur Verfügung gestellt hatten, muss der Luftangriff absichtlich durchgeführt worden sein.

Mit Unterstützung und Hilfe der USA führen Saudi-Arabien und seine Verbündeten im Nahen Osten schon seit März 2015 einen illegalen Luftkrieg gegen den Jemen, nachdem die Hauptstadt Sanaa von schiitischen Huthi-Rebellen erobert worden war. Das saudische Regime beschuldigt seinen regionalen Erzrivalen Iran, die Huthi-Rebellen zu unterstützen, und versucht, die Exilregierung von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi wieder einzusetzen.

Der gestrige Luftschlag auf das Krankenhaus in Abs in der nördlichen Provinz Hadscha ist Teil einer bewussten Kampagne, die Huthi-Bevölkerung in Nordjemen zu terrorisieren. Dem Krieg der Saudis sind schon mehr als 6500 Zivilisten zum Opfer gefallen. Ein großer Teil der gesellschaftlichen Infrastruktur wurde zerstört, darunter 250 medizinische Zentren, achthundert Schulen und hunderte Elektrizitätswerke und Tanklager.

Wie der Krankenhausdirektor Ibrahim Aram der New York Times am Telefon berichtete, sind drei jemenitische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, ein Wachmann, ein Logistiker und ein Elektriker, getötet worden. Einer weiteren Wache, einem Röntgentechniker und einer Krankenschwester mussten Gliedmaßen amputiert werden. Drei ausländische Ärzte erlitten geringere Verletzungen.

Ayman Ahmed Mathkoor, der Gesundheitsdirektor der Provinz Hayyah, berichtete, dass die Luftangriffe die Notfallabteilung des Krankenhauses zerstört hätten. Er sprach von fünfzehn Getöteten und zwanzig Verwundeten. Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Ibrahim Jafari, der das Krankenhaus am Montag besuchte, sagte der New York Times, die Notfallambulanz sei voll belegt gewesen, und zahlreiche Verletzte hätten schwere Verbrennungen erlitten. Er erklärte, dass es in der näheren Umgebung des Krankenhauses keine militärischen Einheiten gab.

Wie Teresa Sancristóval, die Koordinatorin der Notfalleinsätze im Jemen, erklärte, ist dies schon der vierte Angriff in weniger als zwölf Monaten auf ein von Ärzten ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus. Am 10. Januar waren bei einem Luftangriff auf die Einrichtung Schiara in Raseh im Norden der Provinz Saada sechs Menschen gestorben; am 2. Dezember hatte es einen Angriff auf das Krankenhaus in der Stadt Tais gegeben, und am 26. Oktober auf das Krankenhaus Haydan in der Provinz Saada.

„Wieder einmal erleben wir heute die tragischen Folgen der Bombardierung eines Krankenhauses. Wieder einmal wurde ein funktionierendes Krankenhaus voll mit Patienten und lokalen und internationalen Mitarbeitern von Ärzten ohne Grenzen bombardiert. Dieser Krieg kennt keinen Respekt vor medizinischen Einrichtungen oder Patienten“, sagte Sancristóval in einer Presseerklärung.

Andere Hilfsorganisationen verurteilten den Angriff. „Das war ein schrecklicher Angriff. Kranke und Verletzte wurden getötet und auch medizinisches Personal, das verzweifelt zu helfen versuchte. Die Welt darf nicht die Augen verschließen, wenn die Schwächsten in diesem Konflikt leiden“, sagte Sayyad Mohammad Sajid, der Oxfam-Direktor im Jemen.

Die saudi-arabische Militärallianz äußerte gegenüber Associated Press, ein so genanntes „Joint Incidents Assessment Team“ habe eine Untersuchung des Zwischenfalls eingeleitet. Das Ergebnis wird zweifellos auf eine Vertuschung hinauslaufen. In einem saudischen Bericht von diesem Monat steht, das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen, das im Oktober getroffen worden war, sei von Huthi-Rebellen für militärische Zwecke missbraucht worden.

Bei einem Luftangriff auf eine Schule in Saada wurden am Samstag mindestens zehn Kinder getötet und 28 verletzt, wie örtliche Sprecher und Hilfsorganisationen mitteilten. Mediziner von Ärzte ohne Grenzen behandelten die sechs- bis fünfzehn-jährigen Opfer. Das saudische Militär erklärte, der Angriff habe einem Ausbildungslager der Milizen gegolten, legte aber keinerlei Beweise für diese Behauptung vor.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Elizabeth Trudeau, äußerte sich mäßig besorgt über die Luftschläge vom Montag. „Schläge gegen humanitäre Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, sind besonders besorgniserregend“, sagte sie. „Wir rufen alle Seiten auf, die Feindseligkeiten sofort einzustellen. Eine Fortsetzung der militärischen Handlungen wird nur das Leiden der jemenitischen Bevölkerung verlängern.“

Diese Bemerkungen sind zutiefst heuchlerisch. Die USA unterstützen den Krieg der Saudis vorbehaltlos durch die Entsendung von amerikanischen Beratern und Aufklärungsoffizieren, die sich mit ihren saudischen Partnern abstimmen und die Luftschläge durch die Bereitstellung von Zieldaten unterstützen. Im Mai gab das Pentagon die Entsendung kleiner Teams von Special Forces zur Unterstützung saudischer Operationen im Jemen bekannt. Die USA selbst führen ihren eigenen ausgedehnten illegalen Drohnenkrieg im Jemen, nominell gegen al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP).

Vergangene Woche bewilligte das US-Außenministerium den Verkauf von 150 Abrams Kampfpanzern an Saudi-Arabien. Das ist Teil eines Waffenpakets im Wert von 1,15 Milliarden Dollar. Das Paket beinhaltet weitere militärische Hardware, darunter Galting-Gewehre, sowie umfassende Ausbildung für das saudische Militär. Die USA liefern jedes Jahr für etwa zwanzig Milliarden Dollar Waffen an Saudi-Arabien, einen ihrer entscheidenden Verbündeten im Nahen Osten.

Die gedämpfte Reaktion des Außenministeriums auf die Angriffe von Montag auf ein Krankenhaus steht in scharfem Kontrast zu der Propaganda-Kampagne amerikanischer und internationaler Medien wegen angeblicher Gräueltaten syrischer und russischer Kampfflugzeuge gegen jene islamistischen Milizen, die die USA in Syrien unterstützen.

Das amerikanische Militär ist für den kriminellen Angriff auf ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen in Kundus in Nordafghanistan im Oktober letzten Jahres verantwortlich, bei dem 42 Zivilisten umkamen. Dabei entlud ein AC-130 „Gunship“ über eine Stunde lang seine zerstörerische Feuerkraft auf das Krankenhaus. Einige Opfer verbrannten bei lebendigem Leib in ihren Betten, andere wurden niedergemäht, als sie versuchten zu fliehen. Der Abschlussbericht des Pentagon, der im April erschien, war eine dreiste Verschleierung. Er leugnete, dass ein Kriegsverbrechen stattgefunden hat. Nicht einer der Beteiligten wurde zur Verantwortung gezogen und vor ein Kriegsgericht gestellt.

Der Luftschlag vom 15. August gegen ein jemenitisches Krankenhaus ist ein weiterer Beweis dafür dass der saudische Krieg gegen den Jemen wieder voll entbrannt ist, nachdem die Gespräche zwischen der Huthi-Regierung und der Exilregierung von Präsident Hadi unter der Schirmherrschaft der UNO zusammengebrochen sind. Durch die USA unterstützt und bis an die Zähne bewaffnet ist das saudische Regime entschlossen, dieses Land seinen Interessen unterzuordnen.