Große Resonanz auf Antikriegskonferenz in Detroit

Von Kate Randall
8. November 2016

Am 5. November veranstalteten die Socialist Equality Party (SEP) und die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) in Detroit eine Konferenz mit dem Titel „Sozialismus versus Kapitalismus und Krieg.“

Die Konferenz war gut besucht. Etwa 200 Arbeiter und Jugendliche aus den USA und Kanada nahmen persönlich teil, darunter große Delegationen aus Kalifornien, Louisiana, New York, Pennsylvania, Illinois, Minnesota, Virginia und Michigan. Viele Jugendliche nahmen zum ersten Mal an einer Veranstaltung der SEP teil.

Die Antikriegskonferenz am 5. November

Ortsgruppen der SEP in den USA und Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale außerhalb der USA sorgten dafür, dass die Veranstaltung für Mitglieder und Unterstützer im ganzen Land und in der ganzen Welt übertragen wurde. Dadurch konnte die Konferenz von Zuhörern aus Costa Rica, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, der Türkei, Russland, Sri Lanka, Indien, Pakistan, Australien, Neuseeland und von den Philippinen verfolgt werden.

Joseph Kishore spricht auf der Konferenz

Der nationale Sekretär der SEP, Joseph Kishore, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass die Konferenz nur drei Tage vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump stattfand. Er erklärte, der Wahlkampf habe „einen neuen Tiefpunkt erreicht, was Schmutz, Degeneration und Verkommenheit angeht.“ Weiter erklärte er: „Das Wahlergebnis steht noch nicht fest, noch nicht einmal, ob es überhaupt ein eindeutiges Ergebnis geben wird. Doch die Politik der nächsten Regierung ist schon jetzt bekannt: Egal, ob die USA von Clinton oder Trump regiert werden, sie bereiten eine deutliche Ausweitung der Kriege im Ausland und der sozialen und politischen Reaktion im Inland vor.“

Kishore erklärte, die Konferenz finde vor dem Hintergrund der immer umfangreicheren globalen Kriege statt und merkte an, es sei eine „außergewöhnliche politische Tatsache, dass es außerhalb dieser Veranstaltung keine Bestrebungen gibt, Arbeiter und Jugendliche gegen imperialistischen Krieg zu mobilisieren.“

Andre Damon

Der nationale Sekretär der IYSSE, Andre Damon, hielt die erste Rede der Konferenz mit dem Titel „Die globale Krise und die Gefahr eines Weltkriegs“. Er befasste sich mit den endlosen Kriegen im letzten Vierteljahrhundert, zu denen auch der seit fünfzehn Jahren andauernde „Krieg gegen den Terror“ im Nahen Osten und Zentralasien gehört. Damon schilderte, wie die USA Russland und China militärisch einkreisen und welche Diskussionen hinter verschlossenen Türen über die Folgen eines Kriegs zwischen großen Nationalstaaten geführt werden. Die Gewalt und die Zahl der Todesopfer in einem solchen Konflikt wird voraussichtlich ein Niveau wie zuletzt im Koreakrieg erreichen.

Der nationale Sekretär der SEP in Australien, James Cogan, der stellvertretende Vorsitzende der Partei für Soziale Gleichheit in Deutschland, Christoph Vandreier, und der Generalsektretär der SEP von Sri Lanka, Wije Dias, befassten sich in ihren Beiträgen auf eindrucksvolle Weise mit dem Kriegskurs gegen China, der Krise in Europa, der Aufrüstung Deutschlands und der immer größeren Gefahr eines offenen Krieges zwischen den Atommächten Indien und Pakistan.

Christoph Vandreier

Der Präsidentschaftskandidat der SEP in Amerika, Jerry White, schilderte in einer der Hauptreden die Erfahrungen aus dem Wahlkampf: „In den zahlreichen Veranstaltungen und zahllosen Diskussionen, die Naomi Spencer, Niles Niemuth und ich mit Fabrikarbeitern, Grubenarbeitern, Lehrern, streikenden Pflegern, Studenten und Schülern im ganzen Land geführt haben, konnten wir einen echten Hass darüber verspüren, dass die USA Kriege führen und in ihrem wahnsinnigen Streben nach globaler Vorherrschaft Millionen Menschen und Billionen Dollar verheizen.“

„Das Interesse an wirklichem Sozialismus wächst überall. Auch die Ansicht, dass die Arbeiterklasse den Reichtum der Gesellschaft kontrollieren sollte, da sie ihn produziert, findet immer mehr Anklang.“

Jerry White

Der SEP-Vizepräsidentschaftskandidat Niles Niemuth konzentrierte sich in seiner Rede auf die politischen Lehren aus dem Wahlkampf von Senator Bernie Sanders aus Vermont während des Vorwahlkampfs der Demokratischen Partei. Er wies darauf hin, dass viele der Teilnehmer an Veranstaltungen der SEP im ganzen Land ursprünglich Anhänger Sanders‘ waren und geglaubt hatten, er „stelle eine Gefahr für den kapitalistischen Status Quo dar“.

„Sanders‘ Gerede über eine 'politische Revolution' gegen die 'Milliardärsklasse' war darauf ausgelegt, an die tief sitzende Wut über die soziale Ungleichheit und die Herrschaft der Reichen über die Gesellschaft zu appellieren.“ Mittlerweile ruft Sanders an Hochschulen dazu auf, Clinton zu wählen, ohne ein Wort darüber zu verlieren, was sie nach der Wahl tun wird.

Niemuth kam zu dem Schluss: „Die Arbeiter müssen die entscheidenden Schlussfolgerungen aus der Erfahrung mit Sanders‘ Wahlkampf ziehen“ und „jede Form pragmatischer Politik ablehnen, die auf eine Lösung der Krise ohne einen direkten Kampf gegen den Kapitalismus hofft.“

Naomi Spencer, Kandidatin der SEP für Distrikt 16 des Abgeordnetenhauses von West Virginia, sprach über die verzweifelten sozialen Bedingungen in Teilen des Landes, die von Liberalen und Anhängern der Demokratischen Partei als reaktionär und rassistisch abgetan wurden. Sie sprach sich gegen die Haltung aus, weiße Arbeiter seien wegen ihrer Hautfarbe „privilegiert“.

Wie sie erklärte, hat West Virginia seit Jahren ein schweres Haushaltsdefizit. Die Kommunen sind von Überschwemmungen und Erdrutschen bedroht, d.h. von „Problemen, die man eher in Entwicklungsländern erwartet, aber nicht im angeblich reichsten Land der Welt“. Sie erklärte, ihr Wahlkampf sei bei den Menschen auf Resonanz gestoßen, die sich nicht zwischen Clinton und Trump entscheiden wollen, sondern nach einer Alternative suchen.

Naomi Spencer

Ein zentrales Thema auf der Konferenz war die Notwendigkeit die Arbeiterklasse zu vereinen, gegen alle Versuche, sie auf der Grundlage von Nationalität, Hautfarbe oder Geschlecht zu spalten. Die Teilnahme zahlreicher afroamerikanischer Jugendlicher und Frauen an der Konferenz war ein Ausdruck der Tatsache, dass Klassenfragen bei allen Teilen der Arbeiter und der Jugend die entscheidende Rolle spielen. Die Aufforderungen der Redner, Identitätspolitik zugunsten einer gemeinsamen Bewegung aller Ethnien zurückzuweisen, riefen begeisterten Applaus hervor.

David North, der nationale Vorsitzende der SEP und Chefredakteur der Internationalen Redaktion der World Socialist Web Site, war der Hauptredner im letzten Teil der Konferenz: „Die Strategie des antiimperialistischen Kampfs: Lehren aus der Geschichte“.

Über die Gefahr eines mit Atomwaffen geführten Weltkriegs erklärte North: „Ich glaube, jeder stellt sich die Frage, wie wir diese Katastrophe verhindern können [...] Das wohl größte Problem ist die Kluft zwischen dem tatsächlichen Ausmaß der Gefahr auf der einen Seite und dem noch immer begrenzten Bewusstsein breiter Massen der Arbeiter über diese Gefahr auf der anderen Seite. Wie kann man diesen immensen Widerspruch überwinden?“

Die Kandidaten der SEP, Naomi Spencer, Niles Niemuth und Jerry White

North verwies auf die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution. Er erklärte, Wladimir Iljitsch Lenin und Leo Trotzki seien zwar im Vorfeld des ersten imperialistischen Kriegs relativ isoliert gewesen, doch beide waren überzeugt, dass die Unvereinbarkeit der Weltwirtschaft mit dem kapitalistischen Nationalstaatensystem unweigerlich die größten revolutionären Umwälzungen der Geschichte auslösen würde.

North erklärte, die aktuelle Wahl habe die unglaubliche Desillusionierung, Entfremdung und Wut der Bevölkerung gezeigt. Diese Gefühle werden sich nicht in Luft auflösen, egal wer die Wahl gewinnt. „Alle wissen, dass hier etwas krank und verkommen ist. Uns steht eine neue Periode der politischen Radikalisierung bevor.“

Er fuhr fort: „Wir wissen, dass der Impuls für politische Radikalisierung letzten Endes aus den objektiven Widersprüchen entsteht, die im System existieren. Wir betrachten es jetzt als unsere Aufgabe, diese Bewegung so breit wie möglich im ganzen Land bekannt zu machen, in jedem Bundesstaat und unter Arbeitern und Jugendlichen, und ihnen eine Strategie für den Kampf gegen den Krieg zu bieten.“

Dann bezog sich North auf die Resolution des IKVI „Sozialismus und der Kampf gegen Krieg“ und erklärte, der Kampf gegen den Krieg müsse sich auf die Arbeiterklasse stützen. Sie müsse antikapitalistisch und sozialistisch sein. Sie müsse unabhängig und gegen alle Parteien und Organisationen der Kapitalistenklasse ausgerichtet sein. Sie müsse international sein und die immense Kraft der Arbeiterklasse in einem gemeinsamen globalen Kampf gegen den Imperialismus mobilisieren.