Anhaltende Demonstrationen gegen Trump in den Vereinigten Staaten

Von Shannon Jones
15. November 2016

In Las Vegas, Nevada, marschierten ca. 1.000 Menschen auf dem Las Vegas Strip. Viele trugen Plakate mit der Aufschrift: „Nicht mein Präsident“. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen, nachdem sie im Anschluss an eine Demonstration vor dem Trump Hotel den Verkehr auf dem Las Vegas Boulevard blockiert hatten.

Tausende marschierten am Samstag durch die Innenstadt von Chicago. Einige davon zogen in Richtung des Trump Tower und andere marschierten zum Einkaufs- und Geschäftsviertel, dem „Loop“. Die Polizei errichtete Barrikaden, um die Demonstranten daran zu hindern, sich dem Gebäude zu nähern.

Samstagabend verhaftete die Polizei 19 Menschen in Portland, Oregon, nachdem sich eine riesige Menschenmenge im Zentrum auf dem Pioneer Square versammelt hatte. Mit diesen Verhaftungen steigt die Gesamtzahl der verhafteten Personen im Verlauf der Demonstrationen in dieser Stadt auf 62. Ein Demonstrant wurde bei einem Zwischenfall erschossen, der offenbar nicht direkt mit den Anti-Trump-Demonstrationen zusammenhing. Vier Personen wurden in Zusammenhang mit der Schießerei verhaftet und zwei angeklagt.

Insgesamt wurden mehrere hundert Personen während der landesweiten Proteste seit Trumps Wahlsieg am 8. November festgenommen.

Außerdem fanden in Dallas, Phoenix, Indianapolis, Atlanta, Miami, Detroit, Washington D.C. und anderen Städten größere Demonstrationen statt.

In Deutschland, in Berlin, versammelten sich Hunderte am Brandenburger Tor, von denen einige Plakate gegen Trump mit sich trugen. In Mexico City versammelte sich eine Gruppe von Menschen vor dem Unabhängigkeitsdenkmal.

Demonstration gegen Trump auf der Fifth Avenue in New York

Reporter-Teams der World Socialist Web Site sprachen mit Teilnehmern auf Anti-Trump-Demonstrationen überall in den Vereinigten Staaten. Sie erklärten, dass die WSWS die von den Nachrichtenmedien verbreitete Erklärung ablehnt, dass die rassistische „weiße Arbeiterklasse“ schuld sei an der Wahl von Trump. Die Stimmen, die Trump von Arbeitern erhalten habe, seien vielmehr auf seine demagogischen Behauptungen zurückzuführen. Dieser habe im Gegensatz zu Clinton behauptet, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, während sie sich auf der Grundlage von Rassen- und Gender-Politik an die wohlhabenderen Schichten des Kleinbürgertums gewandt habe. In Wirklichkeit hat Clinton verloren, weil Millionen von Arbeitern, schwarze, weiße und Einwanderer, gar nicht zur Wahl gegangen sind, weil sie angewidert sind von der Kriegstreiberin und Handlangerin der Wall Street, die ihre Feindschaft gegenüber der Arbeiterklasse nicht verbergen konnte.

WSWS-Reporter sprachen mit mehreren jungen Leuten, die an einer Anti-Trump-Kundgebung auf dem Union Square in Manhattan, New York, teilnahmen.

Suzanne, 24 Jahre alt, arbeitet in der Modebranche. Sie erklärte: „Ich habe bis vor einem Jahr das politische Geschehen nicht wirklich verfolgt. Während der Vorwahlen war Trump eine Witzfigur. Jetzt haben sich Obama und Trump gestern schon getroffen. Es sagt viel über Obama, dass er sich auf einer solch freundschaftlichen Basis mit Trump trifft. Das sieht einfach unwirklich aus. Hillary hat eine Rede gehalten, in der sie nichts über Trump gesagt hat. Sie erklärte, wir sollen alle Vertrauen zu Amerika haben.“

Zora, 14 Jahre alt, ist Gymnasiastin. Sie erklärte: „Obwohl ich noch nicht wählen kann, war ich in den Vorwahlen für Bernie Sanders, genauso wie meine ganze Familie. Ich denke, ein Bürgerkrieg ist tatsächlich möglich. Mit Donald Trump im Amt ist vieles unvorhersehbar. Er gibt einfach Sachen von sich, von denen er meint, dass die Bevölkerung sie hören will, weil es viele wütende Menschen in diesem Land gibt. Die Politiker versprechen etwas, und dann erfüllen sie es nicht. Trump behauptet, er sei kein Politiker und habe ganz neue Ansichten.“

Sie sei sich „nicht sicher, was den Sozialismus angeht, aber Obama, Hillary Clinton und Trump sind alle für die Konzerne.“

Zora

Im Verlauf des Wochenendes gab es mehrere Anti-Trump-Demonstrationen in Washington, D.C. Mehr als 2.000 Menschen nahmen am Samstagabend an einer einstündigen Veranstaltung vor dem Weißen Haus teil. Aufgrund des Einflusses pseudolinker Gruppen im Umkreis der Demokraten wurde versucht, alles unpolitisch zu halten. Die Versammlung wurde als „Mahnwache“ angekündigt und nicht als Demonstration, und die Teilnehmer wurden angehalten, keine Anti-Trump-Plakate mitzubringen.

Trotz der Bemühungen der Veranstalter bemerkten die WSWS-Reporter zahlreiche Protestplakate bei den Teilnehmern. Einige Hundert Demonstranten setzten sich von der Mahnwache ab, marschierten durch die Innenstadt und riefen Parolen gegen Trump.

Viele Teilnehmer drückten ihre Wut darüber aus, dass Trump Präsident werden soll. WSWS-Reporter befragten Felicita, die im Finanzwesen arbeitet. Felicita erklärte, sie sei „geschockt“ und „enttäuscht“ über die Aussicht auf eine Präsidentschaft Trumps. Als sie nach den Gründen für Trumps Sieg gefragt wurde, erklärte sie, die Menschen hätten vor allem auf der Grundlage der Job-Problematik abgestimmt. Sie erklärte: „Ich glaube, Trump macht ihnen falsche Hoffnungen.“

Drei internationale Studenten sprachen ebenfalls mit der WSWS. Yuri stimmte zu, dass die soziale Klasse bei den Präsidentschaftswahlen ausschlaggebend war. Sie erklärte: „Ich denke, Rasse und Gender waren wichtige Fragen, aber es stellte sich heraus, dass die Klassenfrage die wichtigste war.“ Sie stellte fest, dass nur 30 Prozent der weißen Frauen für Clinton gestimmt haben, obwohl sie die erste weibliche Präsidentin gewesen wäre.

Yuri (rechts)

Die WSWS-Reporter erklärten, Trump sei hauptsächlich deshalb erfolgreich, weil die Demokraten jahrzehntelang eine arbeiterfeindliche Politik verfolgt haben, die in weiten Teilen des Landes die Arbeitsplätze dezimiert und den Lebensstandard gesenkt hat. Yuri bemerkte, Trump sei fälschlicherweise als Freund der Arbeiter auftreten. „Trump ist ein etablierter Kapitalist, er vertritt weder das Kleinbürger noch die Arbeiterklasse. Er hat es geschafft, sie zu täuschen.“

Ein WSWS-Reporter-Team sprach auch mit Hamaad, einem Arbeiter aus der Technologie-Industrie und ehemaligen Bernie-Sanders-Anhänger, der mit seiner Familie zur Mahnwache kam. Er erklärte er sei „beschämt“ über das Ergebnis der Wahlen. Er sagte. „Es gab einige Menschen, die wirtschaftliche Gründe hatten, wie z.B. das Versprechen auf Arbeitsplätze. Aber aus meiner Sicht darf man einfach nicht vergessen, dass er ein Einreiseverbot für Muslime durchsetzen will oder dass er alle Mexikaner Vergewaltiger genannt hat.“

Hamaad

Hamaad sprach über die wirtschaftlichen Gründe für die Wahl von Trump und erklärte: „Minnesota und Michigan waren demokratische Hochburgen, aber viele sind nicht zur Wahl gegangen. Das Programm von Hillary war nicht stark genug und hat diesen Teil der Gesellschaft ignoriert.“

Selbst in San Diego demonstrierten mindestens 1.000 Menschen im Balboa Park, um gegen den Wahlsieg von Trump zu protestieren. Die Nähe der Stadt zur zukünftigen „Mauer“ entlang der Grenze der USA zu Mexiko und der hohe Einwanderer-Anteil unter der Bevölkerung hat starke Ängste hervorgerufen.

Cory und Matt waren zu der Kundgebung gekommen, die von der pseudolinken San Diego ANSWER-Koalition organisiert wurde, um ihre Solidarität auszudrücken. Cory erklärte: „Es war noch nie so offensichtlich, dass unsere eingewanderten Brüder und Schwestern und die Menschen mit anderen Religionen jetzt mehr denn je unsere Hilfe benötigen.“

Cory drückte seinen Abscheu gegenüber dem Zwei-Parteien-System aus und zeigte keinerlei Begeisterung für Clinton, obwohl er in den Vorwahlen Sanders unterstützt hatte. Er zeigte Sympathie für eine unabhängige Partei der Arbeiterklasse sowie für die Idee des Sozialismus und erklärte: „Ich bin bereit für einen Sozialisten.“

Gisela kam zu der Kundgebung, um ihren Widerwillen gegen die Wahl von Trump auszudrücken, war aber auch von der Wahlkampagne der Demokraten abgestoßen. Sie sagte: „Ich glaube, wir haben keine echten Kandidaten gehabt.“ Als einer unserer Reporter erklärte, dass Clintons Niederlage das Ergebnis einer Massenenthaltung aufseiten der Mehrheit der Bevölkerung war, antwortete sie: „Das vermittelt einen Eindruck davon, was die Bevölkerung als Ganze denkt.“

Katya und Meagan waren beide schockiert über den Sieg von Trump. Sie erklärten: „Das war so verwirrend und verblüffend.“ Sie hatten beide anfänglich ihre Unterstützung für Sanders erklärt, waren dann aber aufgebracht über seine Unterstützung für Clinton. Sie sagten: „Ich war wirklich verärgert darüber, dass Sanders verloren hat. Ich wünschte, Sanders würde mehr zu WikiLeaks sagen. Es ist schwer zu akzeptieren, das er mit seiner ,politischen Revolution‘ auf halbem Weg aufgehört hat. Ich war enttäuscht.“