Börsen machen Milliardäre immer reicher

Von Shannon Jones
23. März 2017

Die Zahl der Milliardäre ist 2016 weltweit stark gewachsen. Laut der jährlichen Übersicht des Forbes Magazins ist ihre Zahl um 233 auf 2.043 angestiegen und liegt damit höher als je zuvor.

Der addierte Reichtum der Forbes Milliardäre stieg um achtzehn Prozent auf die schwindelerregende Summe von 7,67 Billionen Dollar. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der meisten Länder, mit Ausnahme der reichsten. Triebfedern für diesen Anstieg sind die steigenden Aktienmärkte, die seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump auf Rekordhöhen gesprungen sind, und die in den letzten zwölf Monaten steigenden Ölpreise.

Grundlegender betrachtet bedeutet diese zunehmende Konzentration des Reichtums auf die Reichsten der Welt einen gesellschaftlichen Rückschritt. Der Reichtum der Gesellschaft wird in einer obszönen Jagd nach privatem Profit geplündert.

Microsoftgründer Bill Gates ist nach wie vor der reichste Mensch. Sein Vermögen stieg um elf Milliarden Dollar auf 86 Mrd. Dollar. Der zweitreichste ist der Investor Warren Buffet (75,6 Mrd. Dollar) und knapp dahinter an dritter Stelle liegt der Amazon-Gründer Jeff Bezos (72.8 Mrd. Dollar). Bezos schaffte im vergangenen Jahr mit 27,6 Mrd. Dollar den größten Sprung nach oben.

Nummer sechs der Forbes Liste war mit einem Nettovermögen von 54,5 Mrd. Dollar der Mexikaner Carlos Slim Helu. Trotz einer Nettozunahme seines Vermögens um 4,5 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr rutschte Slim von Platz vier auf Platz sechs ab. Insgesamt stieg das Vermögen der mexikanischen Milliardäre 2016 um siebzehn Prozent auf 116,7 Milliarden Dollar.

Zusammengenommen kassierten die zehn reichsten Milliardäre auf der Forbes-Liste 558 Mrd. Dollar. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt Venezuelas. Allein die reichsten acht Milliardäre verfügen laut Oxfam über genauso viel Reichtum, wie die gesamte untere Hälfte der Weltbevölkerung von 3,6 Milliarden Menschen.

Die meisten Milliardäre (565) leben nach wie vor in den Vereinigten Staaten. Die Rekordzahl stieg im vergangenen Jahr noch einmal um 25. Dann kommen China mit 319 und Deutschland mit 114 Milliardären. China hatte die höchste Zahl neu gelisteter Milliardäre, nämlich 76.

Im armen Indien, wo gerade erst dreizehn Arbeiter von Maruti-Suzuki aufgrund gefälschter Anklagen zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, gibt es 101 Milliardäre. Damit nimmt das Land, was die Zahl der Superreichen angeht, den vierten Platz ein. Mit einem Vermögen von 23,3 Mrd. Dollar ist der Telekom Tykoon Mukesh Ambani Indiens reichster Mann. Das Durchschnittseinkommen in Indien beträgt gerade einmal 295 Dollar im Monat.

Im südlich der Sahara gelegenen Afrika gibt es vierzehn Milliardäre. Diese Region ist ebenfalls bekannt für ihren hohen Anteil an Menschen, die in extremer Armut leben. Der reichste Mann ist der Nigerianer Aliko Dangote (12,1 Mrd. Dollar), CEO von Dangote Zement, Afrikas größter Zementproduzent.

US-Präsident Donald Trump steht in der Liste auf Platz 544. Sein Vermögen wird auf 3,4 Mrd. Dollar geschätzt und konzentriert sich auf Immobilienbesitz in New York.

In den Vereinigten Staaten hat sich 2016 auch der Verdienst von Spitzenmanagern weiter erhöht. Die durchschnittliche Vergütung von Vorstandsmitgliedern stieg bei den größten 104 US-Konzernen nach Zahlen des Wall Street Journals 2016 um 6,8 Prozent auf 11,5 Millionen Dollar. Die meisten CEOs erhielten eine Erhöhung ihrer Bezüge, nur halb so viele mussten Kürzungen hinnehmen. Der größte Teil ihrer Entlohnung wurde in Form von Aktien gewährt.

Der höchstbezahlte amerikanische CEO, Thomas Rutledge von Charter Communications, sackte 98,5 Millionen Dollar ein, ein Anstieg um 42 Prozent. CEO Fabrizio Freda von Estee Lauder, raffte 48,4 Millionen zusammen, während sich Nike CEO Mark Parker mit 47,6 Millionen zufrieden geben musste. Caterpillar CEO Jim Umpleby erhielt achtzehn Millionen Dollar, obwohl die Bundesregierung seine Firma des Steuerbetrugs verdächtigt.

Diese Zahlen liefern einen Eindruck davon, wie die Welt von der Finanzelite ausgeplündert wird, die historisch beispiellosen Reichtum angehäuft hat. Parallel dazu spielt sich ein Prozess der gesellschaftlichen Zerstörung ab. Der großen Mehrheit der Menschen wird das Lebensnotwendige geraubt, um das Geld für Steuersubventionen für die Reichen und für die militärische Aufrüstung bereitstellen zu können.

Ein großer Teil der Weltbevölkerung muss mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen. Zwanzig Millionen Menschen sind im Jemen, dem Südsudan, Somalia und Nordwestnigeria von einer Hungersnot bedroht, deren Ursache in räuberischen Kriegen liegt, die von der Vereinigten Staaten vom Zaun gebrochen wurden.

In Westeuropa wird der Sozialstaat demontiert, der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde. Gleichzeitig rüsten Deutschland und andere imperialistische Mächte wieder auf und bereiten sich auf den nächsten Krieg vor.

In den Vereinigten Staaten wird derweil das schon jetzt völlig unzureichende soziale Netz weiter zusammengestrichen, um Mittel für Steuersenkungen für die Reichen und für eine starke Erhöhung der Militärausgaben freizuschaufeln. Die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten ist 2015 zum ersten Mal seit 23 Jahren gesunken. Jahrzehntelang sind die Einkommen stagniert oder gesunken, die Gesundheitsdienste und andere Sozialprogramme wurden zusammengestrichen, und es hat sich eine regelrechte Drogenepidemie entwickelt.

Seit vier Jahrzehnten haben Demokratische und Republikanische Regierungen in den Vereinigten Staaten nahtlos und ununterbrochen die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse abgebaut, um die Finanzoligarchie zu bereichern.

Dieser Prozess verschärfte sich mit der Wahl von Barack Obama 2008, dessen Regierung unbegrenzte Mittel für die Rettung der Wall Street zur Verfügung stellte und mittels der Politik der quantitativen Lockerung den Geldhahn der Federal Reserve öffnete und die Aktienmärkte mit billigem Geld flutete.

Die Politik Obamas bereitete den Weg für die Wahl des Milliardärs Trump, des direkten Vertreters der kriminellen Finanzelite. Seit der Wahl eilt die Börse in Erwartung weiterer Steuergeschenke für die Reichen und der Abschaffung von Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltauflagen von Rekord zu Rekord.

Im US-Kongress existiert ein parteiübergreifender Konsens, um das Gesundheitssystem zu schleifen, weitere Zugangsbeschränkungen einzuführen und die Kosten zu senken, damit mehr Geld für Militär und Steuergeschenke locker gemacht werden kann. Demokraten und Republikaner weisen ohne Unterschied die Vorstellung zurück, dass Gesundheitsversorgung ein soziales Recht ist, das jedem kostenlos zur Verfügung stehen müsse. Angeblich ist dafür „kein Geld da“.

Die Forbes-Liste der Milliardäre zeigt jedoch, dass ausreichend Geld da ist, um alle dringenden sozialen Bedürfnisse zu befriedigen. In Wirklichkeit sind die irrationale Organisation der Gesellschaft und die Unterordnung aller Aspekte des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens im Kapitalismus unter die Forderungen der räuberischen Finanzaristokratie das größte Hindernis für eine ausreichende Versorgung der Weltbevölkerung.

Daher muss die Arbeiterklasse ihre Kräfte global für die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft vereinen. Das erfordert die Enteignung des Reichtums der Wirtschafts- und Finanzelite und die Unterstellung der großen Banken, Chemie- und Pharmakonzerne und Transportgesellschaften unter die demokratische Kontrolle der Arbeiterklasse. Diese Mittel müssen für die Hebung des Lebensstandards der Weltbevölkerung und für anständige Löhne, Gesundheitsversorgung, Ausbildung und die Bereitstellung anständiger Wohnungen für Alle eingesetzt werden.