Fridays for Future Demonstranten diskutieren über Sturz des Kapitalismus

Von unseren Reportern
25. Mai 2019

Am Freitag haben in ganz Deutschland zehntausende junge Menschen gegen den von Menschen gemachten Klimawandel protestiert. Demonstrationen fanden in insgesamt 200 Städten statt, darunter Hamburg, Freiburg, Leipzig, München und Köln. Allein in Berlin versammelten sich über zehntausend Studierende und Schüler, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Ein Ausschnitt der Demonstration

Während die Organisatoren versuchten, das Thema auf den Klimawandel zu begrenzen, nahmen viele Jugendliche auch wegen anderer Missstände teil. Mitglieder der IYSSE verteilten eine Erklärung, in der sie die Umweltzerstörung mit der Frage der Kriegsgefahr zusammenbrachten und erklärten, dass nur der Sturz des Kapitalismus eine Katastrophe verhindern könne. Damit stießen sie auf große Resonanz.

Auf der gestrigen Fridays-For-Future Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin sprachen Mitglieder der IYSSE für die World Socialist Website mit streikenden Schülern und Studierenden über eine sozialistische Perspektive gegen Klimawandel, Krieg und Kapitalismus. Auf ihrem Flugblatt riefen sie außerdem dazu auf, am Sonntag bei den Europawahlen der Sozialistischen Gleichheitspartei die Stimme zu geben.

Veronika, eine Berliner Studentin, erzählte uns, warum sie sich den Schulstreiks angeschlossen hat: „Ich gehe streiken, weil ich in einer Welt leben möchte, die mir Chancen bietet. Warum soll ich in die Schule oder Uni gehen, wenn wir Heranwachsende ohne Wandel sowieso keine Zukunft haben?“

Auch Simone studiert in Berlin und nimmt an den Fridays-For-Future-Demonstrationen teil, weil sie findet: „Gerade vor dem Hintergrund der Europawahlen ist es wichtig, ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Die Menschen, die vor Krieg und Klimawandel flüchten, dürfen nicht weiter im Meer ertrinken. Man muss sie aufnehmen und eine gemeinsame Lösung finden.“

Simone

Sie fährt fort: „Ich bin natürlich für Weltfrieden. Man muss für eine weltweit vereinte Gesellschaft kämpfen und die Nationalstaaten eigentlich überwinden. Aber gerade im Krieg geht es am Ende dann doch immer nur ums Geld. Auch auf die Umwelt zu achten, ist aus der Sicht dieses Wirtschaftssystems einfach nicht attraktiv! Was die Zukunft angeht, bin ich aber zuversichtlich. Wir stehen vor großen Herausforderungen, das stimmt. Doch in der nächsten Zeit kann sich auch vieles zum Besseren wenden. Gerade Bewegungen und Demonstrationen wie diese machen mir Mut: Schüler, Studierende, alte Leute – alle kommen hier zusammen für eine bessere Gesellschaft.“

Ole, der eine Universitätsanstellung hat, bettete die Kämpfe der Jugendlichen gegen den Klimawandel in einen breiteren politischen Kontext ein: „Ich glaube, das kapitalistische System ist überhaupt nicht imstande, das Klima zu schützen. Wenn es so weiter geht, werden wir bald nicht tausende tote Kriegs- und Klimaflüchtige im Mittelmeer haben, sondern womöglich 10.000 jeden Monat.“ 

Johannes, den wir ebenfalls mit einem selbstgebauten Plakat antrafen, studiert Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin. Mit starken Worten prangerte er die Verhältnisse an. „Ich bin heute hier, weil ich die ganze herrschende Politik völlig falsch finde. Die Regierung scheint nicht willens zu sein, selbst die läppischen Klimaziele von Paris, die sie sich selbst gesetzt hat, zu erreichen.“

Johannes

Er fuhr fort: „Ich bin Techniker, kein Wirtschaftswissenschaftler. Aber ich halte es für völlige Misswirtschaft, wie das System gerade funktioniert. Die nötige Technik zur Lösung der Umweltkrise ist längst da, aber sie wird nicht eingesetzt, weil die Regierung nicht die Interessen der Bevölkerungsmehrheit vertritt.“

Dann berichtet er: „Vor einiger Zeit habe ich einen Dokumentarfilm gesehen, der zeigte, dass die hauseigenen Klimawissenschaftler von Exxon schon in den 80er-Jahren die Fakten über den zu erwartenden Klimawandel kannten. Aber die Konzernleitung hat einfach gesagt: Na gut, immerhin sind die Profite der kommenden 30 Jahre gesichert. Wegen solcher Entscheidungen droht uns nun eine globale Katastrophe und womöglich eine neue Eiszeit. Es ist wirklich bedrohlich: Auf dem Rücken der Menschheit wird für einige Großkonzerne Politik gemacht. Unterdessen heißt es natürlich immer, für das Klima sei kein Geld da – aber für das Militär anscheinend schon.“

Auf die US-Kriegsdrohungen gegen den Iran und Venezuela angesprochen, sagte Johannes: „Die Kriegsentwicklung beobachte ich wirklich mit Schrecken. Ein Krieg gegen den Iran darf nicht passieren! Es geht doch sowieso nur um die Ausbeutung der Ressourcen des Landes. Wikileaks und Julian Assange haben solche Dinge aufgedeckt. Dass sie ihn jetzt an die USA ausliefern wollen, ist kriminell. Sie haben nichts gegen ihn in der Hand, natürlich nicht!“

Auf die internationale sozialistische Perspektive der IYSSE reagierte Johannes mit großem Interesse: „Ich kann sehr gut verstehen, warum ihr sagt, dass der Kapitalismus gestürzt werden muss. Eure Plakate zu Assange habe ich ja vor kurzem hier in Berlin gesehen.“