Trump-Sprecherin fragt jüdischen Reporter: „Was ist dein ethnischer Hintergrund?“

Von Patrick Martin
19. Juli 2019

Ein im Fernsehen übertragener Vorfall vermittelt einen Einblick in die faschistische Atmosphäre, die im Weißen Haus vorherrscht. Es geht um die Reaktion der Trump-Beraterin Kellyanne Conway auf eine Reporterfrage nach Trumps jüngsten Tiraden gegen vier demokratische Kongressabgeordnete. Conway unterbricht den Journalisten und fragt: „Was ist ihre ethnische Herkunft?“

Am Dienstagmorgen beantwortete Conway vor dem Weißen Haus Reporterfragen. Andrew Feinberg, ein Journalist, der für mehrere Frühstücksmedien aus dem Weißen Haus berichtet, stellte ihr eine Folgefrage zu ihrer früheren Aussage, mit der sie Trumps Tweets gegen die Kongressabgeordneten verteidigt hatte. Conway hatte geleugnet, dass Trump die vier Frauen aufgefordert hatte, in ihre Herkunftsländer zurückkehren, als er zu ihnen sagte: „Sie können ja gehen!“

„Wenn der Präsident den Kongressabgeordneten also nicht sagte, sie sollten in ihre angeblichen Herkunftsländer zurückkehren – auf welche Länder bezog er sich dann?“ fragte Feinberg.

Conway antwortete: „Was ist Ihre ethnische Zugehörigkeit?“

Die versammelten Reporter waren sichtlich verblüfft, und Feinberg, der einen jüdischen Background hat, fragte Conway, warum das relevant sei. „Weil ich Ihnen eine Frage stelle“, antwortete Conway, ohne sich die mindeste Mühe einer adäquaten Antwort zu geben. Sie setzte hinzu: „Meine Vorfahren kommen aus Irland und Italien.“

Offenbar wollte sie andeuten, dass eine Regierungssprecherin mit europäischen Wurzeln was Besseres sei als ein jüdischer Reporter – oder auch als die vier Kongressabgeordneten, die von unterschiedlicher Herkunft sind. Die offensichtliche Unlogik der Antwort verschlug den Reportern zunächst die Sprache.

Kein weiterer Journalist versuchte, die Angelegenheit aufzugreifen, und Conway wiederholte Trumps „Gründe“ für seine Hetze gegen die vier Kongressabgeordneten und sagte: „Er hat es satt – viele von uns in diesem Land haben längst die Nase voll davon, dass Amerika für Leute, die einen Amtseid geleistet haben, an letzter Stelle kommt.“

Mehrere amerikanische Neonazi-Gruppen sind über Conways Wortwechsel begeistert. So auch der faschistische Daily Stormer, der Conways Kommentare unmittelbar auf den Antisemitismus bezog und schrieb, sie seien „fast zu schön um wahr zu sein“.

In einem späteren Auftritt bei Fox News versprühte Conway offen rassistisches Gift und bezeichnete die vier Kongressabgeordneten (alles junge Frauen mit Migrationshintergrund) als „dunklen Bauch des Volks in diesem Land“. Sie legte außerdem nahe, dass Opposition gegen Trump gleichbedeutend mit Verrat sei: „Wir sind es leid, dass Menschen diese amerikanische Flagge, amerikanische Soldaten und Veteranen, dass sie Amerika verunglimpfen.“

Andrew Feinberg twitterte später: „Als sie als Antwort auf meine Frage nach meiner Ethnie fragte … bestätigte Kellyanne ungewollt, dass Donald Trump @IlhanMN, @RashidaTlaib, @AOC und @AyannaPressley sagte, sie sollten nach Somalia, Gaza, Puerto Rico oder wo auch immer in Afrika zurückkehren.“

Auf eine Frage von CNN sagte Feinberg: „Ich bin seit etwa zehn Jahren Journalist in Washington, und ich habe noch nie einen Regierungssprecher erlebt, der so mit mir spricht oder eine so unangemessene Frage stellt.“

Zweifellos gibt es für diesen Ausbruch mehrere Gründe. Conways eigener Ehemann, George, ein prominenter Anwalt, der für eine Spitzenposition des Justizministeriums in der Trump-Administration in Frage kam, ist trotz seiner rechten Politik zu einem lautstarken öffentlichen Gegner von Trump geworden. In einer Kolumne, welche die Washington Post am Dienstag brachte (nur wenige Stunden vor dem Ausbruch seiner Frau) schilderte Conway, wie seine Mutter, die von den Philippinen stammt, zuweilen von Rassisten aufgefordert werde, „dorthin zurückzukehren, wo Du hergekommen bist“.

Conway hat vielleicht auch ein Problem mit Feinberg selbst. Er ist der Verfasser mehrerer pointierter Artikel über Conways eklatanten Verstoß gegen den Hatch Act, der es Bundesangestellten verbietet, sich in irgendeiner Form an Parteipolitik zu beteiligen. Letzten Monat hatte die Kontrollstelle für staatliche Angestellte Office of Special Counsel (OSC) ausdrücklich empfohlen, Conway wegen mehrfacher Verstöße gegen den Hatch Act zu entlassen.

Es stehe Conway frei, ihre öffentlichen Angriffe auf die Demokraten fortzusetzen, erklärt die OSC, aber nur, wenn sie bei der Trump Wiederwahlkampagne oder bei den Republikanern direkt angestellt sei, aber nicht beim Weißen Haus. Das Weiße Haus erteilt Conway keine Erlaubnis, über diese Frage vor einem Parlamentsausschuss auszusagen, und missachtet bisher eine Vorladung des Kongresses.

Was auch immer die persönlichen Gründe im Einzelnen sein mögen, Conways bizarre und nahezu geistesgestörte Antwort auf eine völlig vorhersehbare Pressefrage gibt einen Einblick in die Stimmung in Trumps innerem Kreis.

Die faschistischen Schimpftiraden des Präsidenten sind nicht nur eine Frage seiner individuellen Verfasstheit, wie abscheulich auch immer, sondern sie geben die Stimmung wider, die in einer bestimmten politischen Schicht vorherrscht. Werden diese Leute in der Öffentlichkeit herausgefordert, reagieren sie automatisch mit Rassismus und Autoritarismus.