Die Coronavirus-Pandemie und die Notwendigkeit einer global vergesellschafteten Medizin

28. Februar 2020

Der Ausbruch des Coronavirus, der im vergangenen Dezember im chinesischen Wuhan begann, hat sich zu einer globalen Pandemie entwickelt. Eine koordinierte internationale Reaktion ist erforderlich, um eine Katastrophe abzuwenden. Ein geplanter, rationeller Einsatz weltweiter medizinischer und industrieller Ressourcen ist unerlässlich, um zu verhindern, dass die Krankheit möglicherweise Millionen von Menschenleben fordert.

Arbeiter desinfizieren eine Busgarage in Seoul als Vorsichtsmaßnahme gegen das Coronavirus, 26. Februar 2020 (AP Foto/Ahn Young-joon)

Die Gefahr einer Virusinfektion, die hoch anstreckend und zunächst nicht behandelbar ist sowie potenziell eine tödliche Lungenentzündung verursacht, ist seit Jahrzehnten bekannt. Zwei verschiedene Coronaviren verursachten regionale Ausbrüche: SARS 2002-2004, hauptsächlich in China, und MERS 2012-2014, hauptsächlich in Saudi-Arabien. SARS forderte 774 Todesopfer, nachdem sich 8.000 Menschen infiziert hatten, und MERS kostete 886 Menschenleben innerhalb von zwei Jahren bei 2.519 Infektionen. Das hoch ansteckende Wuhan-Coronavirus (SARS-CoV-2) hat in knapp zwei Monaten bereits weltweit 81.296 Menschen infiziert und 2.770 von ihnen getötet.

Große Ausbrüche nehmen nicht nur in Ostasien, sondern auch in Europa und im Nahen Osten zu, mit 383 Fällen in Italien und mindestens 139 im Iran. China hat es geschafft, die Ausbreitung der Krankheit deutlich zu verlangsamen und die Zahl der Fälle auf 78.073 zu begrenzen. Die chinesische Regierung hat dabei mit drakonischen Maßnahmen Hunderte Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt und einen Großteil der eigenen Wirtschaft stillgelegt. Es ist jedoch offensichtlich, dass wir uns erst im Anfangsstadium einer globalen Epidemie befinden.

Staatliche Vertreter in den Vereinigten Staaten und international haben das neue Virus zunächst heruntergespielt. Noch gestern hat Präsident Donald Trump - im Namen der Finanzaristokratie, die auf nichts weiter als ihre Aktienportfolios schaut - auf Twitter die Medien dafür beschimpft, dass sie versuchen, „den Caronavirus [sic] so schlecht wie möglich zu machen und möglichst noch die Märkte in Panik zu versetzen. Genauso sind ihre inkompetenten Nichtstun-Genossen von der Demokraten, nur Gerede, keine Taten. USA in bester Verfassung!“

Am Mittwochabend gab Trump eine Pressekonferenz, in der er abwechselnd die Schwere der Krankheit herunterspielte, sich und seine Regierung schamlos für die eigene Reaktion lobte und seine politischen Gegner anprangerte.

Ungeachtet solcher ignoranten und unverantwortlichen Bemerkungen ist dieses Coronavirus ein hochgefährlicher und tödlicher Krankheitserreger. Ganze acht Prozent (2.770) der 33.129 registrierten Fälle, die nicht mehr in Behandlung sind, endeten mit dem Tod. Von den 48.167 registrierten Fällen, die noch mit der Krankheit ringen, befinden sich 8.867 (18 Prozent) in einem schweren oder kritischen Zustand - sie werden durch Intensivpflege und künstliche Beatmung sowie Sauerstoffzufuhr am Leben erhalten, jeder Patient benötigt eine Behandlung durch mehrere engagierte medizinische Mitarbeiter.

Laut Ira Longini, Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Universitätsprofessor in Florida, zeigen epidemiologische Modelle, dass sich ohne aggressive Eindämmungsmaßnahmen bis zu „einem Drittel der Welt“ mit dem Virus infizieren könnte. Dies könnte die Krankenhäuser und Gesundheitssysteme weltweit überfordern - auch in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern - wenn Millionen von verzweifelt kranken, hoch ansteckenden Patienten Hilfe benötigen.

Diese Gefahr ist umso größer, wenn sich der Virus auf die Länder des Nahen Ostens und Afrikas ausbreitet, deren Krankenhäuser dürftig ausgestattet sind und wo die Gesundheitsinfrastruktur durch jahrzehntelange imperialistische Besatzungen, Bürgerkriege oder - im Falle des Iran - durch Sanktionen der USA und europäischer Länder schwer beschädigt wurde.

Eine international koordinierte Reaktion ist unerlässlich, um zu verhindern, dass die Pandemie der Menschheit schweren Schaden zufügt. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass ein weltweites Gesundheitssystem in der Lage ist, Patienten zu isolieren, die Geschwindigkeit der Ausbreitung einer Infektionskrankheit zu begrenzen und die notwendigen Ressourcen für die intensive Pflege von Patienten bereitzustellen, die aufgrund der Infektion eine Lungenentzündung entwickeln. Die Herstellung und Verwendung notwendiger Medikamente, Impfstoffe und medizinischer Geräte darf nicht dem Diktat der Finanzmärkte und den Profitinteressen oder der imperialistischen Kriegspolitik untergeordnet werden.

Die moderne Wissenschaft gibt der Medizin Werkzeuge von enormer Kraft gegen die Krankheit an die Hand. Der Gegensatz zu früheren globalen Pandemien wie der Grippeepidemie von 1918 könnte nicht stärker sein. Nur zwei Monate nach Beginn der Pandemie wissen wir viel über das Virus: Wir kennen seinen inneren genetischen RNA-Code, die Form seiner äußeren Hülle und welche Zellen und Rezeptoren es im menschlichen Körper angreift. Mehrere Teams auf internationaler Ebene, unter anderem in den Vereinigten Staaten, China und Europa, liefern sich einen Wettlauf um die Herstellung von Impfstoffen und hoffen, diese bereits im nächsten Jahr klinisch testen zu können.

Klinische Studien in China zeigen auch, dass bereits vorhandene Medikamente wie Chloroquin zur Behandlung von Malaria oder Fapilavir zur Behandlung der Grippe das Coronavirus blockieren und die Genesung beschleunigen können.

Gleichzeitig aber legt die Pandemie die destruktive Irrationalität des Kapitalismus offen: Dieser hat Ressourcen und Reichtum verschwendet, die von der internationalen Arbeiterklasse über Jahrzehnte hinweg geschaffen wurden, und die Menschheit in Bezug auf das Coronavirus unvorbereitet gelassen.

Das Risiko, dass Coronaviren eine hoch ansteckende, nicht behandelbare und potenziell tödliche Lungenentzündung verursachen, ist seit fast 20 Jahren bekannt. Nach den SARS- und MERS-Epidemien zeigten Untersuchungen der EcoHealth Alliance im Jahr 2017, dass sich in asiatischen Fledermäusen Hunderte Stämme von Coronaviren finden, die den Menschen potenziell infizieren könnten. Da die Produktion von Impfstoffen, Medikamenten gegen Viruserkrankungen und Schutzausrüstungen den Profitinteressen großer privater Investoren untergeordnet ist, war jedoch die Vorbereitung auf das Risiko einer großen Pandemie nicht möglich.

Während massive Mittel für Investitionen in die medizinische und industrielle Infrastruktur benötigt wurden, hat man stattdessen Billionen Dollar und Euro im Zuge der Bankenrettungsaktionen 2008-2009 an die Superreichen in Amerika und Europa ausgeschüttet sowie für US-NATO-Kriege und die Besetzung des Irak und Afghanistans verschwendet. In den amerikanischen Städten wurden Krankenhäuser geschlossen und auch die Europäische Union verhängte Sparmaßnahmen, um die Löhne im Gesundheitswesen zu senken und das Personal im Gesundheitswesen auszudünnen.

Diese Politik hat nicht nur den rationalen Einsatz der verfügbaren Technologie zur Vorbereitung auf eine globale Pandemie verhindert, sondern auch die Maßnahmen, die zur Behandlung der Pandemie dringend erforderlich sind.

Der Iran, das Epizentrum der Coronavirus-Pandemie im Nahen Osten, ist vielleicht das deutlichste Beispiel dafür. Hunderte von Iranern sind erkrankt, und die Krankheit breitet sich rasch aus. Dies geschieht unter den Bedingungen, die das Sanktionsregime der USA und Europas geschaffen haben, erstmals 2012 verhängt und dann erneut nach dem Rückzug der USA aus dem iranischen Atomvertrag im Jahr 2018. Der Zugang des Iran zu kritischer Medizin wurde dadurch drastisch eingeschränkt.

Letztes Jahr sagte ein iranischer Arzt der amerikanischen ABC News: „Von 20 Menschen müssen wir mindestens zehn sagen, dass uns die Medikamente, die sie brauchen, ausgegangen sind.“ Es gibt einen Mangel an Medikamenten für viele kritische Krankheiten, unter anderem Asthma, Diabetes und Krebs, die bei Coronavirus-Patienten oft zu Komplikationen und zum Tod führen. Dies liegt zum Teil daran, dass das US-Finanzministerium international gegen Unternehmen vorgeht, die medizinische Güter in den Iran exportieren.

Im vergangenen Jahr stellte der Think-Tank Atlantic Council fest, dass im Iran „im Zeitraum 2012-2013 die Preise für Medikamente um 50-75 Prozent gestiegen sind. In Verbindung mit einem wirtschaftlichen Abschwung und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde die Medizin für iranische Patienten schwer erschwinglich. Nach einer Studie, die 2013 im Iran durchgeführt wurde, hatten Asthma-, Krebs- und Multiple-Sklerose-Patienten entweder mit einem Mangel an Medikamenten oder mit explodierenden Preisen zu kämpfen. Diese Untersuchung ergab ferner, dass viele Krebspatienten die Behandlung wegen eines Anstiegs der Arzneimittelpreise abgebrochen hatten.“

Heute stürzt der Iran in eine Coronavirus-Epidemie, die sich nicht nur in den Golfstaaten, sondern auch in den Nachbarländern wie Irak und Afghanistan rasch ausbreitet, deren Gesundheitsinfrastruktur durch jahrzehntelange Sanktionen, Bombenangriffe und militärische Besetzungen der USA und der NATO zerstört wurde.

Da das Leben von Millionen von Menschen auf dem Spiel steht, dürfen die Entscheidungen im Kampf gegen das Coronavirus nicht den imperialistischen Mächten und der Finanzaristokratie überlassen werden. Die Sanktionen gegen den Iran müssen aufgehoben und Hunderte von Milliarden Dollar weltweit für die Bekämpfung der Pandemie-Bedrohung ausgegeben werden. Die wissenschaftlichen und industriellen Ressourcen der Menschheit sind unter der demokratischen Kontrolle der Werktätigen vollständig zu mobilisieren.

Alex Lantier