Studierendenzeitung „Unauf“ verteidigt rechte Gewalt

Von der Hochschulgruppe der IYSSE an der Humboldt-Universität
7. März 2020

Vor vier Wochen griff der rechtsradikale Professor Jörg Baberowski den IYSSE-Sprecher Sven Wurm tätlich an, weil dieser ihn dabei ertappt hatte, wie er Wahlwerbung der Hochschulgruppe von einem schwarzen Brett riss und vernichtete. „Soll ich dir was in die Fresse hauen?“ drohte er Wurm und einem Studenten, der sich schützend vor seinen Kommilitonen gestellt hatte.

Die Universitätsleitung weigerte sich, den auf einem Video dokumentierten Übergriff zu verurteilen und stellte sich sogar hinter den rechten Aktivisten Baberowski. Nun hat die Zeitschrift Unauf nachgelegt, die sich selbst „Unabhängige Studierendenzeitung der Humboldt-Universität“ nennt, aber sowohl von der Unileitung finanziert wird, als auch seit Jahren gerade in Auseinandersetzungen mit der verfassten Studierendenschaft deren Linie vertritt.

Rechtsradikaler Professor Baberowski greift linke Studierende tätlich an

In einem Kommentar unter dem Titel „Der Mythos vom rechtsradikalen Professor“ versucht ein gewisser Jan Alexander Casper, den Angriff Baberowskis und die Zerstörung von Wahlwerbung als „nachvollziehbar“ zu rechtfertigen. Um das zu tun, muss der Schreiberling auf groteske Überzeichnungen, schmutzige Lügen und absurde Verdrehungen zurückgreifen.

So handle es sich bei Baberowski nicht einfach nur um einen der „renommiertesten Historiker seines Faches“, sondern gar um eine „überlebensgroße Koryphäe seines Faches“, behauptet Casper. Demgegenüber agiere der von Baberowski geschlagene und bedrohte Student Wurm „schäbig“. Die Unileitung solle daher auch über Konsequenzen gegen ihn und die IYSSE nachdenken!

Das so peinliche wie dumme Geschreibsel Caspers wäre nicht der Rede wert, würde es nicht den Standpunkt von Unileitung und Regierung rechtfertigen, die einen der führenden rechtsradikalen Ideologen Deutschlands und dessen Gewaltausbruch gegen einen Andersdenkenden verteidigen. Caspers Kernaussage lautet, Baberowski sei zu dem Übergriff provoziert worden, weil die IYSSE den Professor auf Plakaten und Veranstaltungen als „rechtsradikal“ bezeichnet hatten. Dies sei eine „Rufmordkampagne“.

Casper selbst weiß genau, dass Baberowski ein rechtsextremer Ideologe und Hetzer ist und dass sich sein Angriff auf Wurm gegen die studentische Kritik daran richtet. Er muss zugeben, dass sich Baberowski mit der Gründung seines rechten Salons „freiwillig in die fragwürdige Gesellschaft von Nazis und ‚Neurechten‘ begeben“ habe. Zudem vertrete Baberowski die als „Nolte-These bekannte Überlegung, dass die Explosion der Gewalt des ‚Dritten Reichs‘ in Mittel- und Osteuropa ohne den vorausgehenden Terror der Sowjets unwahrscheinlich, wenn nicht sogar undenkbar sei“.

Tatsächlich ist Baberowski der wohl bekannteste Nazi-Apologet unter den deutschen Professoren und ein erklärter Unterstützer des anti-semitischen und pro-nazistischen Historikers Ernst Nolte. Dieser hatte in den 1980er Jahren behauptet, dass der Holocaust eine nachvollziehbare Reaktion auf die Gewalt der Sowjetunion gewesen sei, und war für seinen Geschichtsrevisionismus im sogenannten Historikerstreit scharf kritisiert worden. Nach seinem de facto Ausschluss aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft verkehrte er fast nur noch in offen rechtsextremen und faschistischen Kreisen.

Baberowski verteidigt Nolte nicht nur, sondern geht noch weit über ihn hinaus. Im Februar 2014 verglich er den Holocaust im Spiegel mit Erschießungen im Jahr 1918 in Russland und erklärte: „Im Grunde war es das Gleiche: industrielle Tötung.“ Um seine Unterstützung für Nolte zu rechtfertigen, fügte er noch hinzu: „Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam. Er wollte nicht, dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird.“ Im Januar dieses Jahrs erklärte er gegenüber der F.A.Z., dass Hitler von Auschwitz nichts habe wissen wollen.

Casper bezeichnet diese Aussagen aus dem Arsenal von Holocaust-Leugnern verharmlosend als „streitbare Thesen“, die auf keinen Fall rechtfertigten, Baberowski einen „rechtsextremen Professor“ zu nennen. Ganz im Gegenteil: Wer das tue, betreibe eine „Rufmordkampagne“. Dabei hätten die IYSSE auf der „Klaviatur der Desinformation… wenig ausgelassen“.

Ginge es hier nur um den schäbigen Artikel einer unbedeutenden Studierendenzeitung, die im Stile der Rechtsextremen „Rufmord“ und „Angriff auf die Meinungsfreiheit“ schreit, weil man einen der ihren kritisiert, könnte man ihn ignorieren. Die Realität ist jedoch viel zu ernst.

75 Jahre nach dem Untergang des Dritten Reichs bestimmt mit der AfD wieder eine rechtsextreme Partei die deutsche Politik. Die Hetze gegen Flüchtlinge, das Werben für Militarismus und die Verharmlosung der Nazi-Verbrechen – also alles, wofür Baberowski steht – hat mit dem Terror gegen Flüchtlinge und Migranten bereits tödliche Konsequenzen. Deshalb muss Caspers Lügennarrativ, das darauf abzielt, Baberowski und die Unileitung reinzuwaschen, scharf zurückgewiesen und detailliert auseinandergenommen werden.

Zu Baberowskis notorischen Aufrufen für Krieg und brutale militärische Gewalt behauptet Casper, die IYSSE ritten auf „sinnentstellten Zitaten Baberowskis herum, die Podiumsdiskussionen am Deutschen Historischen Museum entnommen wurden“.

Casper gibt weder Datum noch Inhalt der angeblich sinnentstellten Zitate an, doch vermutlich bezieht er sich auf eine Diskussion, die am 1. Oktober 2014 unter dem Titel „Interventionsmacht Deutschland?“ im DHM stattfand. Damals hatte Baberowski erklärt: „Und wenn man nicht bereit ist, Geiseln zu nehmen, Dörfer niederzubrennen und Menschen aufzuhängen und Furcht und Schrecken zu verbreiten, wie es die Terroristen tun, wenn man dazu nicht bereit ist, wird man eine solche Auseinandersetzung nicht gewinnen, dann soll man die Finger davon lassen.“

In der gleichen Diskussion sowie in zahlreichen weiteren Publikationen hat Baberowski betont, dass er solche Interventionen nicht ablehnt, sondern gutheißt. Und um sie zu gewinnen, müssten die Methoden der Terroristen und letztlich des Vernichtungskriegs angewandt werden. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, fasste Baberowski seine Position z.B. in einem Interview mit der Esslinger Zeitung zusammen.

Als weiteren Beleg für die angebliche „Desinformations-“ und „Rufmordkampgne“ der IYSSE nennt Casper eine „Falschmeldung“, „nach der Baberowski Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland vor einigen Jahren als ‚eher harmlos‘ bezeichnet habe“.

Casper schreibt: „Wie der Tagesspiegel bereits 2017 berichtete, wurde Baberowski hier immer wieder durch die IYSSE und andere grob verzerrt wiedergegeben, indem wichtige Teile seiner Aussagen ausgelassen worden sind. Dem Tagesspiegel zufolge habe Baberowksi im vollständigen Zitat gesagt, dass die Brandanschläge schlimm genug, aber angesichts der Probleme Deutschlands mit der Einwanderung ja eher noch harmlos seien: Gott sei Dank sei in Deutschland noch niemand umgekommen.“

Wiederum gibt Casper keine genauen Quellen und Daten an, um seine Behauptungen zu belegen. Der Grund ist offensichtlich. Tatsächlich hatte der Tagesspiegel im Jahr 2017 ausführlich über den Rechtsstreit zwischen Baberowski und dem AStA der Universität Bremen berichtet. Aus seinen damaligen Artikeln – wie „Asta darf HU-Professor ‚rechtsradikal‘ nennen“ und „Rechtsstreit ums Rechtssein: HU-Professor unterliegt gegen den Bremer Asta“ – geht eindeutig hervor, dass es sich bei den Vorwürfen, Baberowski hetze gegen Flüchtlinge und rufe zu brutaler imperialistischer Gewalt auf, eben nicht um Desinformation und „Falschmeldungen“ handelte, sondern um korrekte Zitate und ihre legitime Bewertung.

Nachdem Baberowski am 1. Juni 2017 vor dem Oberlandesgericht Köln in allen Punkten gegen den Bremer Asta verloren hatte, berichtete der Tagesspiegel in einem Artikel vom 5. Juni: „Geschichtsprofessor Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt-Universität ist mit seinem Versuch gescheitert, linken Studierendenvertretern bestimmte kritische Äußerungen über ihn zu verbieten... Der Bremer Asta darf jetzt demnach wieder behaupten, Baberowski verbreite erschreckend brutale gewaltverherrlichende Thesen, verharmlose das Anzünden und Belagern von Flüchtlingsunterkünften als natürliche Reaktion verärgerter Bürger, begegne Menschen mit blankem Hass, stehe für Rassismus und vertrete rechtsradikale Positionen.“

Der Tagesspiegel berichtete auch, das Gericht habe eindeutig festgestellt, dass Baberowskis Aussagen nicht aus dem Zusammenhang gerissen und damit sinnentstellt worden seien. „Auch bei Zitierung der vollständigen Baberowski-Äußerungen“ komme laut dem Justizsprecher des Gerichts „möglicherweise keine andere Bedeutung zum Ausdruck“. Baberowski Anwalt habe nach „diesen Erläuterungen… nicht länger auf der Verbotsverfügung“ bestanden. „Die Kosten des Verfahrens muss Baberowski tragen.“

Casper weiß um den Ausgang des Gerichtsprozesses, verweist sogar auf einschlägige Artikel über ihn, verfälscht aber deren Inhalte, um das Lügennarrativ Baberowskis und der Unileitung aufrechtzuerhalten, es handle sich bei den Zitaten um „Falschdarstellungen“, „Rufmord“ und „Desinformation“. Tatsächlich hat Baberowski nicht nur versucht, den Bremer Asta gerichtlich zum Schweigen zu bringen, sondern auch zahlreiche andere Kritiker und ist damit jedes Mal kläglich gescheitert. So scheiterte er mit dem Versuch, der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) zu verbieten, ihn wegen seiner Verharmlosung der Nazi-Verbrechen einen Geschichtsfälscher zu nennen.

Es ist offensichtlich, dass Casper nicht als seriöser Journalist agiert, sondern als politischer Handlanger extrem rechter politischer Kräfte. Dabei macht er sich nicht nur die gerichtlich widerlegten Standpunkte Baberowskis zu eigen, sondern denunziert jeden, der es wagt, sein Idol beim rechtsextremen Namen zu nennen, und rechtfertigt schließlich dessen gewaltsames Vorgehen gegen Studierende.

Aus seinem eigenen Gedankengut macht er dabei keinen Hehl. Ganz im Sinne rechter Verschwörungstheorien stellt Casper die These auf, dass es den IYSSE nicht um den Kampf gegen rechte Ideologie und Rechtsextremismus gehe, sondern lediglich darum, eine offene Rechnung mit Baberowski zu begleichen und diesen deshalb „ad hominem“ zu attackieren.

So habe der Chefredakteur der World Socialist Web Site und Vorsitzende der amerikanischen Socialist Equality Party, David North, im Jahr 2014 „beinahe täglich“ „wütende Schriften gegen Baberowski“ verbreitet, weil dieser ihn von einem Seminar mit dem Trotzki-Biografen Robert Service ausgeschlossen habe. Die Hochschulgruppe der IYSSE an der HU habe diese Kampagne aufgegriffen, weil North ihr „Hohepriester“ sei und weil sie gehofft habe, so ihre Bekanntheit zu steigern.

Casper breitet seine Bemerkungen, Lügen und wüsten Beleidigungen, die den antikommunistischen Tiraden Baberowskis entsprechen, über vier Absätze aus, ohne auch nur mit einem Wort darauf einzugehen, um welche weitreichenden wissenschaftlichen und politischen Fragen es bei der Service-Einladung eigentlich ging.

Service hatte eine Biografie Leo Trotzkis verfasst, die das erklärte Ziel verfolgte, den russischen Revolutionär mit Lügen und Verdrehungen zu diskreditieren. Der Historiker Bertrand M. Patenaude hatte das Buch in der renommierten American Historical Review als „Schmiererei“ bezeichnet und der vernichtenden Kritik, die North in seinem Buch „Verteidigung Leo Trotzkis“ entwickelt hatte, rechtgegeben.

14 renommierte Historiker hatten in einem persönlichen Brief an die Verlegerin und Eigentümerin des Suhrkamp Verlages, Frau Ulla Unseld-Berkéwicz, gegen die Veröffentlichung einer deutschen Übersetzung in dem renommierten Verlag protestiert. Zu den Autoren und Unterzeichnern gehörten Prof. Hermann Weber, der mittlerweile verstorbene Doyen der Kommunismus- und Stalinismus-Forschung, Prof. Oliver Rathkolb, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien, und Prof. Peter Steinbach, wissenschaftlicher Leiter des Gedenkzentrums Deutscher Widerstand in Berlin. Sie nannten Service‘ Biographie eine „Schmähschrift“, die „vielfach auf Formeln zurück[greift], die aus der stalinistischen Propaganda bekannt sind“, und verwiesen auf ihre antisemitischen Untertöne.

Baberowski lud Service mit dem Ziel an die HU ein, den überführten Geschichtsfälscher zu rehabilitieren. Die IYSSE kündigten damals an, an dem öffentlichen Seminar teilzunehmen, und hatten sogar neun Fragen vorbereitet, die sie Service und Baberowski zur Vorbereitung vorher übersandten. Baberowski jedoch wollte jede akademische Diskussion unterdrücken, sagte das Seminar offiziell ab, verlegte es heimlich an einen anderen Ort und schloss dort nicht nur North, sondern auch zahlreiche Studenten und den Potsdamer Professor Mario Kessler, ein Unterzeichner des Historiker-Briefs, von der Diskussion aus. Als ein Teilnehmer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen darauf Bezug nahm, dass Service antisemitische Motive verwendet, verlangte Baberowski, er solle schweigen.

Daraufhin schrieb nicht North „beinahe täglich“ Artikel zum Thema, sondern die IYSSE an der HU verfassten einen Offenen Brief an die Leitung der Humboldt-Universität, der große Aufmerksamkeit fand. Wir protestierten darin gegen die Unterdrückung der Diskussion und machten klar, worum es dabei eigentlich ging.

Mit Blick auf den oben erwähnten Spiegel-Artikel, der bezeichnenderweise in der Woche des Service-Seminars erschienen war, erklärten wir: „Baberowski nutzt seine Stellung an der Universität, um die berüchtigten reaktionären Thesen von Ernst Nolte zu verbreiten, die seit dreißig Jahren in Schriften verwendet werden, mit denen die Verbrechen der Nationalsozialisten relativiert und in ihrer Bedeutung herabgemindert werden sollen.“

In diesem Zusammenhang schätzten wir die Einladung an den Geschichtsfälscher ein: „Services verlogenes Machwerk passt in dieses Bild. Um die Schuld des Nationalsozialismus zu mindern, wird die russische Oktoberrevolution zu einer verbrecherischen Tat erklärt und Trotzki, der wichtigste marxistische Gegner Stalins, dämonisiert.“

Dann erklärten wir den Zusammenhang zwischen Geschichtsfälschung und der Wiederkehr des deutschen Militarismus und Faschismus: „Die Bemühungen, ein historisch falsches Narrativ zu begründen, fallen mit einem kritischen Wendepunkt der deutschen Geschichte zusammen. Sie stehen in engem Zusammenhang mit der Ankündigung von Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier, es sei an der Zeit, die jahrzehntelange militärische Zurückhaltung Deutschlands zu beenden. Die Wiederbelebung des deutschen Militarismus erfordert eine neue Interpretation der Geschichte, die die Verbrechen der Nazizeit verharmlost.“

Und weiter: „Ein bestimmtes politisches Ziel erfordert entsprechende Methoden. Baberowskis Verhalten am 12. Februar hat gezeigt, dass sich eine solche Revision der Geschichte nur mithilfe von Einschüchterungsmaßnahmen und der Unterdrückung abweichender Meinungen verwirklichen lässt.“

Wir erklärten, dass „Baberowskis Angriff auf elementare demokratische Rechte und akademische Freiheiten […] Interessen [dient], die die Humboldt-Universität in ein Zentrum für rechte und militaristische Propaganda verwandeln möchten“. Wir betonten, dass dies „nicht den Wünschen der Studierenden“ entspricht, die möchten, „dass die Humboldt-Universität ein Ort der Wissenschaft und des akademischen Diskurses bleibt und nicht in einen rechten Thinktank verwandelt wird, an dem kritische Stimmen mundtot gemacht werden.“

Seitdem hat sich nicht nur unsere damalige Einschätzung dramatisch bestätigt. Die Offensive der IYSSE gegen Baberowski und andere rechte Professoren, die wir als Bestandteil des Kampfs gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus führten, hat den Einfluss der IYSSE und ihrer sozialistischen Perspektive gegen Kapitalismus, Faschismus und Krieg enorm erhöht.

Erbost stellt Casper fest: „Über die Jahre hinweg hat die IYSSE es geschafft, ausgehend von Jörg Baberowski und natürlich Herfried Münkler nicht nur eine rechtsextreme Verschwörung und die gedankliche Vorbereitung eines neuen deutschen Militarismus an der Humboldt-Universität heraufzubeschwören, sondern sich auch gleich als das einzige Bollwerk gegen diese vermeintliche Gefahr in Szene zu setzen. Zulauf bei entsprechenden thematischen Veranstaltungen sowie Stimmen bei den Wahlen zum HU-Studierendenparlament konnte den wichtigsten Vertreter*innen der IYSSE Berlins, Katja Rippert und Sven Wurm, so sicher sein.“

Besonders wütend macht Casper, dass die IYSSE maßgeblich dazu beigetragen haben, Baberowskis reaktionäres Zentrum für Diktaturforschung zu stoppen. „Im Sommer vergangenen Jahres war Baberowski mit der Einrichtung eines interdiszplinären Diktaturforschungszentrums gescheitert, das im Vorfeld von der IYSSE mit einigem Aufwand als rechtsgerichteter Quasi-Think Tank verunglimpft worden war“, schreibt er.

Mit unserer prinzipiellen Opposition gegen Faschismus und Diktatur und haben wir nicht nur von Studierenden der HU große Unterstützung gewonnen, sondern auch von zahlreichen Studierendenvertretungen in ganz Deutschland. Unter anderem haben sich die Asten der Universitäten in Bremen, Hamburg, Lüneburg, Magdeburg, Potsdam sowie der TU und FU in Berlin mit dem Kampf der IYSSE gegen rechte Ideologie an der HU solidarisiert. Laut Casper haben sich die Studierenden und ihre Vertretungen dabei allerdings lediglich „die Empörungslogiken der IYSSE aufzwingen lassen“.

Deutlicher könnten die Unauf und Casper ihren Standpunkt kaum machen. Sie reagieren auf die wachsende Opposition von Studierenden, indem sie diese denunzieren und die Gewalt, mit der ein rechtsextremer Professor gegen sie vorgeht, entschuldigen und rechtfertigen.

Diese eindeutige Parteinahme für Baberowski und die Unileitung kommt nicht überraschend, sie ist das Ergebnis handfester finanzieller und politischer Interessen. Die Unauf wird anders als andere Studierendenzeitungen nicht durch Verkäufe an Studierende oder durch die verfasste Studierendenschaft finanziert, sondern hängt am Tropfe eines sogenannten „Freundeskreis“ aus Vertretern der Wirtschaft, der Universität und der Medien. Sie wird kostenlos in der ganzen Uni ausgelegt. Die Leitung der Humboldt-Universität selbst gibt der Zeitung regelmäßig Geld, und die BMW-Stiftung des NSDAP-Mitglieds Herbert Quandt, der sein Vermögen mit Zwangsarbeit gemacht hat, finanziert das Blatt. Auch die Polizei Berlin und die Friede-Springer-Stiftung gehören zu den Financiers.

Casper selbst, der auch als „Chefredakteur“ firmiert, hat sich seinen Geldgebern schon oft erkenntlich gezeigt und immer wieder die skandalöse Haltung der Unileitung unterstützt. Als diese auf Anfrage der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus vom RefRat die Herausgabe der Namen sämtlicher in der Vertretung aktiver Studierender der letzten Jahre erzwingen wollte, griff Casper in einem Unauf-Artikel den RefRat an. Er warf den Studierenden vor, sie wischten in ihrer Verteidigung gegen die Unileitung „sachliche Kritik und gegenläufige Meinungen aus dem demokratischen Spektrum vor dem Hintergrund einer rechtsextremen Drohkulisse beiseite“.

Nun geht Casper, der wie die Universitätspräsidentin Sabine Kunst SPD-Mitglied ist, noch weiter und verteidigt sogar Gewalt gegen Studierende, wenn es der Durchsetzung der rechten Agenda der Unileitung dient. Auf den Punkt gebracht lautet die Botschaft seiner Abhandlung: Wer Flüchtlingshetze, die Entschuldung der Nazi-Verbrechen und das Trommeln für brutale Kriege beim Namen nennt, hat es verdient, dass seine Plakate abgerissen werden und er selbst tätlich angegriffen wird.

Casper ist natürlich zu feige, das offen auszusprechen, und bemerkt am Ende seines Artikels zynisch, dass es ja „so vieles Anderes gegen echte Rechtsextremist*innen“ zu tun gäbe. Tatsächlich macht er sich mit seinem Geschreibsel selbst zum Hauspropagandisten des „echten Rechtsextremisten“ Baberowski und der rechten Verschwörung gegen kritische Studierende an der HU.