Londoner Busfahrer gründen Sicherheitskomitee zum Kampf gegen Covid-19-Bedrohung

Sicherheitskomitee der Londoner Busfahrer
18. September 2020

Die folgende Resolution zur Gründung des Sicherheitskomitees der Londoner Busfahrer wurde am Sonntag, 13.September, bei einem Treffen von Busfahrern angenommen. Die Gründung des Komitees war die Reaktion auf den tragischen Tod von 33 Londoner Busfahrern durch Covid-19, sowie den neuen Anstieg der Infektionen im Busdepot Cricklewood, den die Verkehrsgesellschaften und die Transportarbeitergewerkschaften verheimlicht haben.

Kolleginnen und Kollegen,

Wir haben das Sicherheitskomitee der Londoner Busfahrer gegründet, um für den Schutz unseres Lebens gegen die Ausbreitung von Covid-19 zu kämpfen.

Die Ereignisse in Cricklewood während der letzten Woche zeigen, dass wir dies nicht den Verkehrsbetrieben oder den Gewerkschaften Transport for London (TfL) und Unite überlassen dürfen.

Schon wieder ist uns der Covid-19-Fall eines Kollegen verschwiegen worden, sodass uns Ansteckung droht.

Es gibt weder Informationen noch Massentests. Weder die Gesellschaft Metroline noch Unite haben die über 500 Fahrer des Depots auch nur mit einem Wort gewarnt. Stattdessen hat das Unternehmen einen Blankoscheck erhalten, selbst zu entscheiden, welche Fahrer wann über Covid-19-Fälle informiert werden. Damit wollen sie „Störungen“ vermeiden und die „operative Effizienz“ gewährleisten.

Mindestens ein Fahrer wurde gedrängt, trotz seiner Krankmeldung weiterzuarbeiten. Er hatte den Bescheid, Kontaktperson zu sein, am 3. September erhalten. Als er standhaft blieb und erklärte, er wolle zuhause bleiben und sich testen lassen, wurde ihm mit Lohnabzug gedroht. Außerdem wurde er angewiesen, seinen Test selbst zu zahlen. Man ließ ihn fast drei Stunden im Ausgabebereich sitzen, sodass eine Ansteckungsgefahr für andere Kollegen bestand. Der Sicherheitsvertreter von Unite unterstützte diese Verantwortungslosigkeit. Der Test des Fahrers war zwar negativ, doch die Missachtung der Sicherheitsvorkehrungen durch den Betrieb zeigt, in welchem Ausmaß wir alle in Gefahr gebracht werden.

Wir haben bereits unseren hochgeschätzten Kollegen und Freund Ishrat Ali verloren, dessen Kinder und Frau noch immer trauern. Ali war einer von 33 Busfahrern, die in der Zeit von März bis Mai an Covid-19 gestorben sind. Das darf nie wieder passieren!

Jetzt ist unabhängige Initiative nötig. Die Gewerkschaften arbeiten im Auftrag der Unternehmen und der Regierung und versuchen, den Widerstand zu unterdrücken. Als während der ersten Covid-19-Welle die ersten Busfahrer starben, stimmten Unite und TfL den Busgesellschaften zu, dass es „gar nicht empfehlenswert“ sei, eine Maske zu tragen, und setzten sich für den „Arbeitsfrieden“ ein. Gewerkschaftsmitglieder, die das Vorgehen von Unite kritisierten, wurden ausgeschlossen.

Genau wie unsere Kolleginnen und Kollegen im NHS, bei der Bahn und der Londoner U-Bahn, in Supermärkten und Lebensmittelverarbeitungsbetrieben, Lagerhäusern und Logistikfirmen haben wir in dieser Pandemie „an der Front“ gearbeitet. Doch trotz der verlogenen Ehrenbezeugungen von Politikern und Medien, mit denen sie systemrelevante Arbeiter feiern, sitzen wir nicht „im selben Boot“. Unser Leben ist entbehrlicher als der Dieselkraftstoff in den Bussen.

Wir sind erschöpft von den langen und gefährlichen Schichten, die uns für lebensbedrohliche Infektionen anfällig machen. Fahrer, die bisher wegen gesundheitlicher Einschränkungen geschont wurden, müssen wieder an die Arbeit, obwohl sich die Infektionsraten in England jede Woche verdoppeln.

Unser Kampf geht über das Busdepot hinaus. Das Vorgehen von Metroline und TfL ist Teil der Politik der Johnson-Regierung, die Wirtschaft und die Schulen unter unsicheren Bedingungen wieder zu öffnen, welche Millionen Menschen in die überfüllten Verkehrsmittel zwingt. Wie viele derjenigen, die heute gezwungenermaßen in die Busse, Züge und U-Bahnen einsteigen, werden in den kommenden Wochen und Monaten am Beatmungsgerät hängen oder in überfüllten Leichenhallen liegen?

Wir sagen: Unser Leben und unsere Sicherheit stehen nicht zur Disposition! Unsere Loyalität gilt nicht den milliardenschweren Aktionären, die die großen Verkehrsbetriebe besitzen, sondern unseren Kollegen, ihren Familien und den Fahrgästen, deren Leben durch die Nachlässigkeit der Unternehmen gefährdet wird. Es wird sich nichts ändern, solange wir es nicht ändern. Und damit das passiert, müssen wir gemeinsam handeln!

Das Sicherheitskomitee der Londoner Busfahrer wird für die folgenden unmittelbaren Forderungen kämpfen:

Die Situation, vor der wir stehen, wiederholt sich im ganzen Land in Betrieben, Fabriken, Büros und Schulen. Die Pandemie ist im Wiederaufleben begriffen, begünstigt durch die mörderische Politik der Johnson-Regierung, die sich in dem brutalen Begriff der „Herdenimmunität“ zusammenfassen lässt.

Wir sind kein Vieh, und wir werden uns für die Profite der Konzerne und Banken nicht opfern lassen, die sich während der Pandemie finanziell bereichert haben. Gegen die Johnson-Regierung und ihre Unterstützer in der Labour Party und dem [Gewerkschaftsdachverband] Trades Union Congress richten wir unseren Appell an die Arbeiterklasse.

Wir rufen unsere Kollegen, die Bus- und LKW-Fahrer in Depots in London und im ganzen Land dazu auf, uns in diesem Kampf zu unterstützen. Helft uns dabei, ein Netzwerk von Aktionskomitees zu schaffen, um diesen Kampf weiterzuführen.

Antrag angenommen am 13. September 2020

 

Siehe auch:

33 Londoner Busfahrer an Covid-19 gestorben: „Wir sind so entbehrlich wie Diesel“
[14. Mai 2020]

New York: 61 U-Bahn- und Busfahrer an Covid-19 gestorben
[20. April 2020]

Münchner Trambahnfahrer: „Die hygienischen Zustände sind erschreckend“
[10. April 2020]

„Wir gefährden unsere Fahrgäste und uns selbst“
[18. März 2020]