Stoppt den gefährlichen ‚Regelbetrieb‘ an den Schulen!

Zweites Treffen des Netzwerks der Aktionskomitees für sichere Bildung

Von unsere Reporter
7. Oktober 2020

Vor dem Hintergrund eines weltweit wachsenden Widerstandes gegen die Durchseuchungspolitik der Regierungen fand am Montag das zweite Online-Treffen des Netzwerks der Aktionskomitees für sichere Bildung statt. Das Treffen markierte einen wichtigen Schritt im Kampf für sichere Bildung und diente dazu, die Organisation des Widerstands von Lehrern, Schülern, Eltern und Arbeitern weiter voranzutreiben.

Philipp Frisch, Mitglied der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) und Lehrer aus dem Ruhrgebiet, gab in seinem einleitenden Beitrag eine umfassende Einschätzung der zugespitzten Weltlage:

„In den USA hat die Covid-19-Pandemie mittlerweile mehr Amerikaner getötet als der Koreakrieg, der Vietnamkrieg und der Erste Weltkrieg zusammengenommen. Die USA gleichen einem sozialen Pulverfass: 40 Millionen Menschen sind arbeitslos und erhalten auch keine Corona-Zuschüsse mehr. Weitere Massenentlassungen werden vorbereitet.“

Während US-Präsident Donald Trump – wie zuvor der britische Premierminister Boris Johnson – zwar selbst an Covid-19 erkrankt und damit Opfer seiner eigenen Durchseuchungspolitik geworden sei, habe dies an seinen Putschvorbereitungen im Zuge der Präsidentschaftswahlen nicht das Geringste geändert. Doch auch in Europa, so Frisch, verfolge die herrschende Klasse dieselbe Politik:

„Als hätte es die Bilder aus Italien vom März, auf denen Militärtransporte im Schutz der Dunkelheit massenhaft Leichen von Corona-Toten abtransportieren, gar nicht gegeben, geben sämtliche Regierungen alle verbliebenen Maßnahmen auf. Die Zahlen steigen rasant und die tragischen Rekorde der ersten Welle werden ständig gebrochen. In Deutschland sind derzeit offiziell mehr als 40.000 Schülerinnen und Schüler sowie rund 4.000 Lehrkräfte in Quarantäne.“

Die Shutdowns der Industrie, die von streikenden Arbeitern in Italien, den USA und anderen Ländern zum Schutz von Leben erwirkt worden waren, seien daraufhin von den herrschenden Eliten zum Anlass genommen worden, die Banken und Konzerne mit Billionen an Steuergeldern zu retten. Wie Frisch erläuterte, gehe diese Politik, die von allen Bundestagsparteien und den Gewerkschaften unterstützt werde, mit einer umfassenden Vertuschung des Infektionsgeschehens und der systematischen Wiederbelebung eugenischer und rechtsextremer Standpunkte einher.

„Tatsächlich hat die Schulöffnung nicht das Geringste mit den Problemen armer Familien zu tun. Sie geht im Gegenteil mit den schwersten Angriffen auf die Arbeiterklasse seit dem Zweiten Weltkrieg einher. Erst werden die Arbeiter unter gefährlichen Bedingungen an die Arbeitsplätze gezwungen, dann werden sie zu Hunderttausenden auf die Straße gesetzt. Allein in der deutschen Autoindustrie sollen mindestens 300.000 Jobs vernichtet werden. Hinzu kommen Massenentlassungen im Einzelhandel, der Luftfahrt und vielen anderen Branchen.“

Abschließend verwies Frisch auf die Forderungen, die in dem Aufruf der World Socialist Web Site zur Gründung von Aktionskomitees für sichere Bildung genannt werden. Darunter seien Milliardeninvestitionen in Bildung und Hygienemaßnahmen, die Aussetzung des regulären Präsenzunterrichts sowie die Ausweitung von Tests und Kontaktverfolgung. Diese Forderungen, betonte Frisch, seien Bestandteil der Mobilisierung der internationalen Arbeiterklasse in einem Generalstreik gegen die mörderische Politik der Durchseuchung und gegen den Kapitalismus.

Als nächste Sprecherin berichtete Katja Selin, SGP-Mitglied und Korrespondentin der WSWS, von der Massenbewegung von Jugendlichen in Griechenland, die gegen die unsicheren Schulöffnungen protestieren. Seit die Schulen am 14. September unter völlig unsicheren und katastrophalen gesundheitlichen Bedingungen geöffnet wurden, wachse dagegen der Widerstand unter Schülern, so Selin. Sie wehrten sich dagegen, in den Schulen der Infektionsgefahr ausgesetzt zu werden.

„Innerhalb der letzten zwei Wochen hat sich die Bewegung in ganz Griechenland immer stärker ausgebreitet. Letzte Woche wurden über 700 Schulen besetzt. Die Schüler organisieren sich in Schülerkoordinierungskomitees und lokalen Vollversammlungen. Auch Studierende, Lehrer, Eltern, Pflegekräfte und Hafenarbeiter unterstützen die Proteste.“

Die herrschende Klasse Griechenlands reagiere darauf mit Einschüchterung, Erpressung und einer medialen Hetzkampagne. Zur gleichen Zeit gehe die Polizei mit Tränengas gegen die friedlichen Proteste der Schüler vor.

„Bemerkenswert ist, dass viele Jugendliche ihren Kampf für sichere Schulen direkt mit größeren gesellschaftlichen Fragen verbinden. Sie fordern massive Investitionen in Bildung, den Ausbau des Internets und kritisieren die Aufrüstung und die hohen Militärausgaben – vor dem Hintergrund der wachsenden Kriegsgefahr im östlichen Mittelmeer und dem Nahen Osten. Zugleich wenden sie sich gegen die Sparpolitik der letzten Jahrzehnte, die die Bedingungen für ein katastrophales Wüten der Pandemie geschaffen hat.“

Ebenso wie Frisch ging auch Selin auf die reaktionäre Rolle der Gewerkschaften ausführlich ein und rief dazu auf, die Bewegung der Schüler zu verteidigen und auf die gesamte internationale Arbeiterklasse auszuweiten.

Dass die Bedingungen an den Schulen, gegen die sich die Proteste der griechischen Schüler richten, im Kern in ganz Europa vorherrschen, machte ein Bericht von Joshua deutlich, ein Schüler an einem Gymnasium bei Nürnberg.

„Als ich von den Schulbesetzungen gehört habe, dachte ich, dass es wichtig ist, dass es sowas auch in Deutschland gibt. Allein schon unser Schulweg ist ein gefährliches Risiko, da die öffentlichen Verkehrsmittel heillos überlastet und vier- bis fünfmal so voll sind, wie vorgesehen. Außerdem steht an den Bahnhöfen kein Desinfektionsmittel bereit und die Stellen, an denen eine Schmierinfektion stattfinden könnte, werden nicht vernünftig gereinigt.

Jetzt, mit dem Ende der Maskenpflicht wurde auch noch der letzte bestehende Schutz aufgehoben. Die Konzepte, die unsere Lehrerinnen und Lehrer ausgearbeitet haben, funktionieren in der Praxis nicht, weil die Verhältnisse einfach derart überfüllt und unhygienisch sind und keine entsprechenden finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Wie ich von Freunden gehört habe, ist es an anderen Schulen noch schlimmer. Dort kann teilweise keinerlei Abstand gehalten werden. Es besteht keine echte Maskenpflicht und auf die Einhaltung der anderen Maßnahmen wird nicht geachtet. Die Sanitäranlagen sind in katastrophalem Zustand.“

„Schüler und Pädagogen müssen sich unabhängig organisieren“, schloss Joshua. „Von den bürgerlichen Parteien und den Gewerkschaften kommt keine Unterstützung für die Schüler.“

Berdan, ein Schüler einer Berufsschule in Dortmund, unterstützte diesen Appell und verwies ebenfalls auf die katastrophalen Hygienebedingungen an seiner Schule:

„Man kann eine Schule mit über 2000 Schülern nicht mit zwei, drei Toilettenräumen betreiben! Die öffentlichen Verkehrsmittel und Wege, die zu unseren Schulen führen, sind nicht ausreichend. Gegenüber unserer Schule sind noch zwei weitere Berufsschulen sowie ein Zoo und ein Wohngebiet. Nur alle zwanzig Minuten kommt ein Wagen an, in den alle Schüler einsteigen.“

Gemeinsam mit einigen Mitschülern hat Berdan ein Schülerkomitee ins Leben gerufen, um den Kampf für sichere Bildung voranzutreiben. Das Komitee fordert, dass Unterricht nur online oder in kleinen, festen Lerngruppen stattfinden darf, die räumlich getrennt und sicher untergebracht sind. Präsenzunterricht in Kleingruppen dürfe jedoch, so die zweite Forderung, nur dann überhaupt stattfinden, wenn die Verkehrsbetriebe den Einsatz von Bussen und Bahnen so aufstocken würden, dass eine gefahrlose Anreise möglich sei.

„Unser Komitee soll auch für Aufklärung sorgen, weil viele Schüler selbst nicht über alle Fakten Bescheid wissen. Viele unserer Mitglieder haben Angehörige aus der Risikogruppe, die von einer Corona-Infektion selbst schwer betroffen wären.“

Obwohl es mehrere Fälle von Covid-19 an Berdans Schule gab, seien lediglich die unmittelbaren Sitznachbarn der Schüler in Quarantäne geschickt worden – weder die anderen Klassenkameraden noch die Schüler aus dem Sportunterricht seien beurlaubt worden.

„Wir haben mit dem Schulleiter gesprochen, der unsere Bedenken zunächst arrogant weggewischt hat. Wir wiesen darauf hin, wie wichtig eine Maskenpflicht auch in den Unterrichtsräumen wäre. Die Corona-Maßnahmen an unserer Schule bringen nicht viel, weil sie entweder nicht kontrolliert werden oder nicht durchführbar sind. Uns wurde gesagt, das Einzige was wir tun könnten, sei, unsere jeweiligen Mitschüler in der Klasse zu bitten, freiwillig eine Maske zu tragen.

Mittlerweile ist die Schulleitung wegen unseres Drucks dazu übergegangen, tägliche Durchsagen zu machen und alle Schüler dazu aufzurufen, eine Maske zutragen. Insgesamt stellen sich jetzt mehr Schüler direkt gegen die Schulleitung, was vorher nicht der Fall war.“

Weitere Sprecher stellten heraus, dass auch in Kindertagesstätten, Universitäten und Industriebetrieben unabhängige Aktionskomitees gegründet werden müssen, um der Durchseuchungspolitik ein Ende zu setzen, das politische Ruder herumzureißen und Leben zu retten.

Selen, eine Studentin aus dem Ruhrgebiet, zitierte die Mitteilungen mehrerer Universitäten, in welchen für das bevorstehende Semester eine weitgehende Rückkehr zum Präsenzunterricht angekündigt wird. Ungeachtet der Tatsache, dass Schulen und Universitäten einer aktuellen britischen Studie zufolge für 45 Prozent der Covid-19-Erkrankungen verantwortlich sind, sollen künftig wieder viele Tausend Studierende auf heruntergekommenen Universitätscampi zusammengebracht werden:

„Die ‚Corona-Reglementierungen‘, von denen die Rektorate und die Universitätspräsidenten sprechen und die sie als verantwortungsbewusste Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus hochhalten, sind allenfalls Scheinmaßnahmen.

Wenn es wirklich um die effiziente Eindämmung und Bekämpfung des Virus sowie den Schutz von Mitarbeitern, Studierenden und der Bevölkerung ginge, dann würde ein weiteres Semester in Onlinepräsenz stattfinden, was vollkommen im Rahmen des Machbaren und Möglichen liegt. Vor diesem Hintergrund stellt die Wiederaufnahme des Präsenzbetriebs an deutschen Unis einen weiteren wichtigen Schritt in die Richtung der bewussten Durchseuchungspolitik der herrschenden Klasse dar.“

Siehe auch:

Griechische Schüler trotzen Erpressung und Gewalt der Regierung: Schulbesetzungen gehen weiter

[06. Oktober 2020]

Großbritannien: Schule oder Uni für fast jede zweite Corona-Infektion verantwortlich

[06. Oktober 2020]

Netzwerk der Aktionskomitees für sichere Bildung hält erfolgreiches Auftakttreffen

[17. September 2020]

Gründet unabhängige Aktionskomitees für die Sicherheit von Pädagogen, Schülern und Eltern!

[10. September 2020]

Netzwerk der Aktionskomitees für sichere Bildung hält erfolgreiches Auftakttreffen

[17. September 2020]